Dienstag, 22.11.2011

Davai – Eastern Pop de luxe in der Alpenrepublik

Temperament, Melancholie und der Sinn des Lebens. Davai, die französische Melange aus dem Osten. Lagerfeuer statt Candlelight-Dinner. (Foto: Davai)
Wien. Eine „Russian French Night“ verspricht die russisch-französische Formation auf ihrem Plakat. Was auf den ersten Blick wie eine Candlelight-Veranstaltung aussieht, wird allerdings bald zu einem munteren Steppenbrand.
Eine Liaison zwischen französischem Laissez-faire und dem russisch Ungestümen. Nun, den Sinn für Kunst haben beide Völker. Das ist unbestritten. Was dabei herausgekommen ist, stelle man sich am Besten wie einen Ausflug des musikalischen Club Mediterrane in die raue Taiga vor. In Wien und Graz wird es jetzt zu hören und zu sehen sein.

Wie Edith Piaf in einem Zigeunerlager


Die russische Sängerin Svetlana Loukine ist zweifelsohne die tragende Säule, dieser auf den ersten Blick ungewöhnlichen Formation. Gitarren, Bass, Perkussion und dazu eine Violine und ein Akkordeon. Mehr braucht es eigentlich auch gar nicht für einen romantischen Ausritt in die Weiten des Ostens.

Wann und wo:
25.11.2011 – Wien, OstKlub
26.11.2011 – Graz, Post Garage
Jedoch, wenn das Pferd seinem ungezügelten Drang nachgeht, dann erblüht die entfesselte Welt von Davai. Tränen und Schreie, eine berauschende Atmosphäre der ewigen Wanderung durch das Leben. Getragen von der etwas verrückten slawischen Seele.

In den Adern der Gesellschaft, die sich hier zusammen gefunden hat, pulsiert unverkennbar russisches und französisches Zigeunerblut. Die Texte, in Russisch und Roma verfasst, verkünden von den schlechteren Zeiten, von den Besseren und von dem ganzen Kram dazwischen.

Zigeunerwestern weit weg von Ethno


Davai, das sind zarte liebliche Weisen, die während einer turbulenten Reise irgendwo in der Wildnis der Zigeuner verloren gehen und ihre eigene melancholische Gestalt annehmen. Geschichten wie aus einem Zigeunerwestern, unwirkliche Geschichten, die dennoch einen Kern der Wahrheit in sich bergen.

Wenn ein Hühnchen, während einer wilden Verfolgungsjagd um sein Leben kämpft, ein lügender Säufer seinen Kummer herausweint, dann ist Davai in seinem Element. Das zweiköpfige Kamel aus dem Zirkus spielt mit siamesischen Zwillingen, und eine Mutter trauert um ihr verlorenes Kind.

Neue Arrangements und Texte paaren sich bei Davai mit Tradition. Und traditionell sind sowohl das fahrende Volk als auch die Slawen erst dann so richtig glücklich, wenn sie heulen müssen.

Aber dazu wird getanzt! Erst wenn sich die Location in eine Schwitzhütte verwandelt, ja dann ist die Band zufrieden. Melancholisch, ekstatisch, fröhlich, wild – Davai eben…