Freitag, 25.11.2011

Nagorny-Karabach – werden die Berge wieder brennen?

Liebliche Landschaft und hässlicher Krieg: Armenischer T-72-Panzer in Berg-Karabach als Relikt des Konflikts. (Foto: Raffi Kojian)
Berlin. Eine kleine, international nicht anerkannte Republik als Zankapfel zwischen Armenien und Aserbaidschan sorgt für brisanten Zündstoff in der Kaukasusregion. Ein Dialogforum will mit den Parteien diskutieren.
Bergkarabach (Nagorny Karabach), ist eine Region gerade einmal fünfmal so groß wie die Insel Rügen, in der momentan etwa 140.000 Menschen leben. Die meisten von ihnen sind Armenier. Dazu kommen noch über 20.000 armenische Soldaten, um die Grenzen zu sichern. Denn die Republik liegt auf aserbaidschanischem Staatsgebiet - so zumindest die Meinung in Baku, die völkerrechtlich auch von der internationalen Gemeinschaft geteilt wird.

Ein Blick zurück


Eine Million Menschen wurden im Zuge des Konflikts vertrieben - wie konnte es soweit kommen? Seit jeher lebten armenische Siedler in Berg-Karabach. Die ersten waren Untertanen stattlicher Fürstentümer, die sich Anfang des 19. Jahrhundert dem russischen Reich unterstellten. Nach dem russisch-persischen Krieg 1828 zogen zudem viele Armenier aus persischem Herrschaftsgebiet nach Berg-Karabach.

Im Zuge der russischen Oktoberrevolution 1917 erhob aber auch Aserbaidschan einen Anspruch auf Nagorny-Karabach. In der Folge kam es zu ersten Kriegsscharmützeln zwischen den beiden Nationen.

Nach den Kämpfen erklärte das sowjetische Zentralkommitee Nagorny-Karabach als autonome Republik und sprach das Gebiet 1923 der Aserbaidschanischen SSR zu. Die Armenier fühlten sich um ihr Land gebracht.

Berg-Karabach wird zum Krisenherd


Mit dem Ende der Sowjetunion nehmen die schwelenden Auseinandersetzungen ein hässliches Ausmaß an. Die Situation in Berg-Karabach eskalierte zusehends und die sowjetische Armee rückte in Baku und Sumgait ein, um antiarmenische Pogrome einzudämmen. Armenier flohen zu tausenden aus Nagorny-Karabach und Aserbaidschan.

Die armenische Armee stellte sich auf die Seite Karabachs. In der Stadt Chodschaly gab es ein Massaker, nun flüchteten die Aserbaidschaner. In Baku sprach man von Völkermord – und sinnt auf die Rückholung des Gebietes, das seither von den Armeniern gehalten wird, die dort ihren eigenen Staat ausriefen.

Zwar wurde 1994 ein Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien vereinbart, der Konflikt an sich jedoch nur „eingefroren“.

Vermittlungsversuche der OSZE verliefen bislang im Sande, das Pulverfass Südkaukasus kann somit jederzeit wieder explodieren. Das ölreiche Aserbaidschan rüstet in den letzten Jahren mächtig auf. Gibt es überhaupt noch eine Lösung?

Blockierte Grenzen und besetze Gebiete


Kompliziert wird die Lage dadurch, dass Armenier nicht nur das wie eine Insel inmitten Aserbaidschans liegende Berg-Karabach besetzt halten, sondern auch noch einige umliegende aserbaidschanische Landkreise, die jetzt eine Landverbindung mit Armenien bilden.

Wann und wo
28. November 2011, 13 bis 19 Uhr
Berlin, Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund, Jägerstraße 1-3, 10117 Berlin
Programm: www.eurokaukasia.de
Anmeldung unter: bk-konferenzverteiler@gmx.de
Armenien seinerseits ist allerdings weitgehend isoliert, da sowohl Aserbaidschan wie auch die Türkei – als dessen engster Verbündeter und ethnischer „Verwandter“ – die Grenzen zu Armenien blockieren. Der alte armenisch-türkische Konflikt - akut bis heute wegen der Bewertung des Völkermordes von 1915 - spielt also ebenfalls eine Rolle im Karabacher Knoten.

Trotz der relativen Ruhe besorgt der Dauerkonflikt die Weltpolitik: Während sich Georgien der NATO zuwendet, ist Armenien der letzte Verbündete Russlands im Südkaukasus. Gleichzeitig versucht Moskau immer wieder, die beiden verfeindeten GUS-Staaten Armenien und Aserbaidschan zu einer Verhandlungslösung zu motivieren. Und schließlich gibt es da in unmittelbarer Nachbarschaft beider Konfliktparteien noch den international faktisch geächteten Iran …

Gibt es da noch was zu kitten?




Mit dieser Frage will der Internationale Kultur- und Wissenschaftsverein „EuroKaukAsia“ in Kooperation mit dem Berliner Lehrstuhl zur Geschichte Aserbaidschans und dem Deutsch-Aserbaidschanischen Forum Vertreter der beiden verfeindeten Lager zum Dialog auf zivilgesellschaftlicher Ebene ermuntern.

Selbstverständlich wird die Veranstaltung auch ihren Blick auf die deutsche Sicht des Berg-Karabach-Konflikts richten. Was birgt die Konfliktregion für ein ökonomisches Potenzial und was hat die gespannte Situation für Auswirkungen auf Europa? Können die südosteuropäischen Aussöhnungsprozesse auch im Südkaukasus greifen?

Auch wenn die Vorträge in deutscher und russischer Sprache stattfinden, werden keine Vertreter Russlands anwesend sein. Man habe sich, so der Veranstalter zu Russland-Aktuell, auf diese beiden Sprachen geeinigt, um die Zahl der Dolmetscher überschaubar zu halten.

Aus organisatorischen Gründen wird um eine Anmeldung gebeten.