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Der Menschenrechtler Andrej Sacharow als Graffiti an der Berliner Mauer. (Foto: Bundesarchiv, Wolfgang Lemmerz)
Der Menschenrechtler Andrej Sacharow als Graffiti an der Berliner Mauer. (Foto: Bundesarchiv, Wolfgang Lemmerz)
Donnerstag, 18.02.2010

TV-Tipp: „Der Andersdenkende“ - Sacharow im Portrait

Straßburg. Physiker, Erfinder der Wasserstoff-Bombe, Atombombengegner, Menschenrechtler, Verbannter und Politiker. Eine ARTE-Dokumentation zeichnet ein Profil aus dem bewegten Leben des “Andersdenkers“ Andrej Sacharow.

Eine Produktion von Iossif Pasternak für ARTE France, die am 24. Februar 2010 um 20.15 Uhr als Erstausstrahlung gesendet wird, versucht das bewegte Leben des Andrej Sacharow nachzuzeichnen. Und bewegt war es in der Tat…

Atomphysiker und Friedensbewegter


Ein Kernphysiker, der für die Sowjetunion die erste Wasserstoffbombe erfindet und dann zum Atomwaffenzweifler wird? Eine Koryphäe, die den Friedensnobelpreis entgegen nimmt und wegen Kritik an der Außenpolitik seines Landes sein Leben im Exil fristen muss? Manche Lebenswege bedürfen einer genaueren Betrachtung. So auch der des Andrej Sacharow.

1921 geboren als Sohn eines Physiklehrers, ging er als Freiwilliger 1939 zur Roten Armee. In den 40ern arbeitete er als Ingenieur in einer Munitionsfabrik und promovierte nach dem Krieg zum Kernphysiker. Damit begann die Kariere des Andrej Sacharow. Die folgenden zwei Jahrzehnte verbrachte er als Forscher am sowjetischen Kernwaffenprogramm.

Sacharow sah sich als „Soldat des naturwissenschaftlich-technischen Krieges“. Er glaubte an das „nukleare Gleichgewicht“. 1953 wurde die erste, maßgeblich von Sacharow entwickelte Wasserstoffbombe der Sowjetunion gezündet. Jedoch, zwölf Jahre später, hegte er öffentlich Zweifel am Wettrüsten des kalten Krieges. Der Kernwaffenexperte wurde zum Atomwaffengegner.

Nobelpreis, Nischni Nowgorod und Perestroika


Die Folge war der Ausschluss aus dem Forschungsprogramm der UdSSR, 1970 forderte er gar in einem offenen Brief an die Regierung die Demokratisierung der Sowjetunion. In der Folge engagierte sich Sacharow für politisch Verfolgte und erhielt dafür 1975 den Friedensnobelpreis, den er allerdings nicht persönlich entgegennehmen durfte.

Man verweigerte ihm schlichtweg die Ausreise nach Oslo, Andrej Sacharow war inzwischen zum Staatsfeind Nummer eins avanciert. Als er zu guter Letzt noch den Einmarsch der Sowjettruppen in Afghanistan öffentlich kritisierte, platzte der KPdSU endgültig der Kragen.

Sie schickte den unbequem gewordenen Sacharow kurzerhand in die Verbannung nach Gorki (seit der Wende 1990 wieder Nischni Nowgorod). 1986 war es der amtierende KPdSU-Parteiführer Michail Gorbatschow persönlich, der ihn bat, wieder nach Moskau zu kommen und seine politischen Aktivitäten fortzusetzen.

Und damit sich der Kreis wieder schließt, ging Sacharow kurz darauf in die Politik und versuchte die Verfassung seines Landes zu reformieren. 1988 berief man ihn sogar wieder in eine leitende Position in die Sowjetischen Akademie der Wissenschaften.

Die Reformation der Sowjetunion, seinen Traum, durfte er leider nicht mehr erleben. Der „Andersdenker“ Andrej Sacharow starb 1989 unvermittelt an einem Herzinfarkt. Und zwei Jahre später hörte der Sowjetstaat auf zu existieren.



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