Freitag, 16.12.2011

TV-Tipp: Der Jenissei - Russlands Fluss der Tränen

Holz, ein wichtiger Wirtschaftszweig der sibirischen Taiga. Floßverband auf dem Jenissei bei Lessosibirsk. (Foto: Phoenix/WDR)
Bonn. 4.000 lange Kilometer quer durch Sibirien, stellenweise der einzige Verkehrsweg durch die Taiga. Geschichten von Menschen entlang des großen Stromes, aber auch aus unseligen Zeiten. Eine Reportage über den Jenissei.
Aus der Reihe „Mein Ausland“ zeigt der Fernsehsender Phoenix am Sonntagabend in einer Erstausstrahlung die Produktion von Georg Restle „Der Jenissei – Russlands Fluss der Tränen“. Ein Film über einen Fluss, der von vielen Schicksalen zu erzählen weiß.

Für die Menschen, die entlang des Jenisseis leben, ist er ein Segen, aber auch ein Fluch. Er ist ihre Lebensader, die zum Fluss der Tränen geworden ist. Der Jenissei dagegen hat schon viele Gesichter gesehen. Sibirische Volksstämme, zugereiste Glücksritter und solche, die es sich nicht freiwillig aussuchen konnten, hierher zu kommen.

Lebensader und Verkehrsweg aus Wasser


Georg Restle lässt den Zuschauer teilhaben an seiner Reise von Krasnojarsk den Strom aufwärts bis hoch in den Norden Russlands, wo jenseits des Polarkreises die Sonne von Juni bis August nicht mehr untergeht. Nur während dieser kurzen Sommermonate kann das Postschiff das Herz Sibiriens mit dem Notwendigsten versorgen.

Überhaupt herrscht um diese Zeit ein emsiger Betrieb auf dem Jenissei. Die unzähligen Baumstämme des Nadelwaldgürtels in der Taiga werden in mächtigen Verbänden flussabwärts geflößt, die gefangenen Fische in Depots im Permafrostboden gebracht.

Phoenix
„Der Jenissei – Russlands Fluss der Tränen“
18.12.2011, 21.45 Uhr
Erstausstrahlung, Länge 45 Minuten
Ganz anders zeigt sich der Jenissei in den langen Wintermonaten. Ab November beginnt der Fluss zuzufrieren. Dann warten die Schiffe in einer dicken Eisschicht verpackt auf den Mai, und die Welt entlang der Wasserstrasse ist auf sich allein gestellt. Nun beginnt auch der Autoverkehr auf dem dicken Eis des Jenisseis.

Zauberhafte Landschaft mit düsterer Geschichte


Jedoch, so malerisch die vielen mäandrierenden Schleifen des Jenisseis auch sind, die Geschichte überschattet diese zauberhafte Landschaft. Bereits seit den Zeiten der Zaren wurden Schwerverbrecher, oft aber auch nur unbequeme politische Gegner an den Jenissei deportiert.

Unter den prominenten Vertretern der Geschichte waren unter anderem auch Lenin und Stalin, die an den Jenissei verbracht wurden. Zynischerweise war es gerade Letzterer, der die Arbeitslager erneut aktivieren ließ; die Überreste des sibirischen Gulags verfallen noch heute still entlang des Flusses vor sich hin.

Georg Restle, der Autor der Reportage, portraitierte ein beeindruckendes 45-minütiges Bild eines Stromes, der sowohl die Grundlage als auch das Verderben der Bevölkerung widerspiegelt, die entlang des Jenisseis ihre Heimat gefunden hat.