Dienstag, 24.01.2012

TV-Tipp: „Lebt wohl, Genossen!“ – Dokureihe auf ARTE

Vor 20 Jahren löste sich das riesige Sowjetreich in seine Einzelteile auf. Eine Weltmacht verschwand. (Foto: ARTE)
Straßburg. Der Kultursender ARTE huldigt dem 20. Jahrestag des Zusammenbruchs der UdSSR. In sechs Folgen wird der schleichende Zerfall eines Imperiums geschildert. Zeitzeugen berichten und Archivmaterial kommt ans Licht.
Erinnern wir uns. Wir schreiben das Jahr 1975, und fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt auf sowjetischem Territorium. 16 Jahre später war es mit der Herrlichkeit vorbei. Der großartigste Gedanke nach dem Christentum für viele, der Sozialismus, war Geschichte. Der 25. Dezember 1991 hat die Welt verändert.

Wann und wo:
ARTE:

24.01.2012, 21.45 Uhr – „Machtrausch“
24.01.2012, 22.40 Uhr – „Bedrohung“

31.01.2012, 21.45 Uhr – „Hoffnung“
31.01.2012, 22.40 Uhr – „Erwachen“

07.02.2012, 22.10 Uhr – „Revolution“
07.02.2012, 23.00 Uhr – „Zusammenbruch“
„Lebt wohl, Genossen!“ entstand als Crossmedia-Projekt in Zusammenarbeit mit 15 Fernsehsendern aus 14 Ländern, 30 Partnern aus Osteuropa und der Unterstützung durch die Europäische Union. Herausgekommen ist ein umfangreiches und authentisches Bild vom Niedergang einer Weltmacht.

Teil 1: „Machtrausch“ (1975 – 1977) und „Bedrohung“ (1980 – 1984)


Zum Auftakt der Reihe erleben wir ein Sowjetreich, das sich wie selbstverständlich in seinem eigenen Glanz sonnt und dadurch die Zeichen der Zeit übersieht. Die Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki läutet eine neue Ära für die UdSSR und deren Bruderstaaten ein. Rufe der Menschenrechtsbewegungen zeigen ihre erste Wirkung.

Nach und nach bahnen sich Rede- und geistige Freiheit den Weg durch ein repressives System. Die ersten Risse in einem von alten Polit-Bürokraten geführten Staatsgebilde sind spürbar. Breschnews Redenschreiber und Ceausescus Dolmetscher, sowie die Witwe von Liedermacher Wladimir Wyssotzki berichten über ihre Erfahrungen.

Gleich im Anschluss widmet sich die zweite Folge den turbulenten 80ern in der bröckelnden Welt des Kommunismus. Das Wettrüsten mit der NATO erreicht seinen Höhepunkt, das Klima ist an einem Tiefpunkt angelangt. Erster öffentlicher Protest wird laut.

Die Sowjetunion marschiert nach Afghanistan ein und prompt boykottieren 65 westliche Nationen die Olympischen Sommerspiele 1980, die zeitgleich in Moskau stattfinden. In der DDR formiert sich die Bewegung „Schwerter zu Pflugscharen“ und rüttelt am Selbstverständnis des Staates.

Auch in den Bruderstaaten der UdSSR wurde der Sozialismus ausgemistet. In der DDR verschwand der Trabbi nun gen Westen und Lenin in der Versenkung. (Foto: ARTE)

Teil 2: „Hoffnung“ (1985 – 1987) und „Erwachen“ (1988)


Eine Woche darauf tauchen wir in Zeiten ein, in denen große Umbrüche und Veränderungen innerhalb der UdSSR und deren Bruderstaaten die Innenpolitik maßgeblich beeinflussen. Die wichtigsten Schlagworte lauten: Gorbatschow, Glasnost und Perestroika. Zudem geht der Kernreaktor im ukrainischen Tschernobyl aus dem Leim.

Zwar wird auf dem 70. Parteikongress der KP von Informationsfreiheit und wirtschaftlichen Reformen gesprochen, aber noch längst wollen nicht alle Machthaber der sozialistischen Bruderstaaten diesen neuen Weg Gorbatschows mitgehen.

Während in Russland die Aufarbeitung der stalinistischen Vergangenheit allmählich in die Gänge kommt, geraten sich andere Sowjetrepubliken wegen ethnischer Konflikte in die Haare. Zudem verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation im bröselnden Sozialismus zusehends. Die einst so gute Idee liegt am Boden.

Teil 3: „Revolution“ (1989) und „Zusammenbruch“ (1990 – 1991)


Die UdSSR, Polen und Ungarn streben 1989 mit freien Wahlen den Übergang in die Demokratie an. Andere Staaten des Ostblocks halten hingegen an ihren Dogmen fest und erleiden Schiffbruch damit. Meist sind die Umstürze des Regimes friedlicher Natur.

Nur in Rumänien nimmt die Revolution gewaltsame Züge an; der verhasste Diktator Ceausescu wird kurzerhand an die Wand gestellt. Andere Machthaber, wie z.B. Erich Honecker in der Deutschen Demokratischen Republik, flüchten sich ins Asyl. Die Weltordnung hat sich verändert.

Am 25. Dezember 1991 kündigt Michail Gorbatschow seinen Rücktritt an. Die Sowjetunion ist nurmehr eine Weltmacht, die es nicht mehr gibt. Als am gleichen Abend die rote Flagge mit Hammer und Sichel am Moskauer Kreml eingeholt und stattdessen die weiß-blau-rote der russischen Föderation gehisst wird, ist der Sozialismus Geschichte…

Begleitend wird auch noch ein 160-seitiges Buch unter demselben Titel erscheinen. „Lebt wohl, Genossen! – der Untergang des Sowjetischen Imperiums“ von György Dalos, dem ungarischen Mitautor dieser epochalen Medienproduktion.