Montag, 28.11.2011

TV-Tipp: „Russland zwischen Nostalgie und Aufbruch“

Der Kreml in Moskau, das russische Zentrum der Macht, wird dieser Tage wieder im öffentlichen Interesse sein. (Foto: ARD)
Köln. Das Erste widmet sich ganz dem Schwerpunktthema Russland. Anlässlich der bevorstehenden Duma-Wahl erklärt ein Beitrag die gegenwärtige Lage im Land. Im Anschluss wird ein Film die Helden der UdSSR portraitieren.
Im Dezember reihen sich die Ereignisse in Russland aneinander. Am ersten Samstag des Monats wählt das Volk sein neues Parlament, und am ersten Weihnachtfeiertag vor genau 20 Jahren wurde auf dem Kreml die rote Fahne durch die weiß-blau-rote Trikolore ersetzt.

Grund genug also, den Blick heute Abend auf ein Land zu richten, in dem sich viel verändert hat, aber auch vieles beim Alten geblieben ist. „Russland zwischen Nostalgie und Aufbruch“ berichtet in zwei Sendungen über das Russland von Heute und die Sowjetunion von Einst.

„Wohin steuert Russland?“


Der Titel des ersten Beitrags lässt den Inhalt bereits erahnen. Russland wählt sein neues Parlament, doch gibt es überhaupt etwas zu wählen? Die Karten scheinen bereits gemischt und verteilt, bevor das Volk an die Wahlurnen darf, um seine Stimme der neuen Regierung zu geben, die ohnehin wieder die alte sein wird.

Wohin steuert Russland? Die neue Regierung wird die alte werden, aber was kommt danach? (Foto: ARD)
Oppositionsparteien sind gleich von vornherein von der Wahl ausgeschlossen, der demokratische Umgang mit der Macht wird im Keim erstickt. So ist es nur allzu verständlich, dass die Russen des Wählens müde sind und sich keinen weiteren Illusionen hingeben wollen.

Ina Ruck und Georg Restle aus dem ARD-Studio in Moskau haben sich umgesehen in einem Land, dessen Regierung, trotz aller Modernisierungsversprechen, an starren Verhaltensmustern festhält, die bestenfalls Stagnation verheißen.

Politshow zwischen Korruption und Terror


Was ist aus den vielen Versprechungen geworden, die die Regierung herbeigelobt hat? Die Bilanz der geplanten Vorhaben fällt nicht allzu positiv aus. Vorzeigeprojekte, ja die hat es gegeben, aber in Sachen Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit tut sich Russland nach wie vor schwer.

Die Korruption ist in Russland bei weitem noch nicht ausgemistet. Noch immer gibt es mit den besten Beziehungen die besten Stückchen vom großen Kuchen eines nach vorne strebenden Landes. Wer schmiert, gewinnt, und nicht selten wird diese Korruption auch auf dem Rücken des Volkes ausgetragen.

Auch der lang schwelende Konflikt im Kaukasus zeigt, dass es in Russland noch viele offene Baustellen gibt. Ein erfolgloser Kampf gegen den Terror, der doch meist nur Unschuldige büßen lässt und die nach Vergeltung suchende Jugend in die Hände des Extremismus spielt. Die Modernisierung lässt noch auf sich warten.

„Helden der Sowjetunion“


Der anschließende Beitrag widmet sich der „guten alten“ Sowjetunion. Nicht wenige sehnen sich heute in diese Zeiten zurück, als das Leben noch vermeintlich geordnet verlief. Der Film von Konstanze Burkard portraitiert Zeitzeugen aus den Tagen, in denen der „Sowjetmensch“ als Leistungsträger geachtet war und Helden geschaffen wurden.

Helden – davon brachte die Kaderschmiede Sowjetunion genügend hervor. Kleine Helden aus dem Volk, sowie die großen Helden, die weltweit für Aufsehen sorgten. Ein Held wurde man schnell im praktizierten Sozialismus. Und sei es nur die ehrenvolle Auszeichnung zum „Helden der sozialistischen Arbeit“.

Helden gab es in der Sowjetunion en masse. Kleine und große, jeder Sowjetbürger durfte ein bisschen stolz auf seine Verdienste für das Vaterland sein. (Foto: Barth/.rufo)
Aber in der Sowjetunion gab es auch genügend bedeutendere Helden, die sich durch aufregende Taten im Bewusstsein verankert haben. Helden der Revolution, Weltraumhelden, Heldenmütter, Heldenstädte und nicht zu vergessen die Helden des „Großen Vaterländischen Krieges“.

Lebende Ikonen berichten über ihre großen Zeiten


Was ist inzwischen aus den ganzen Helden von damals geworden? Wie haben sie ihre Auszeichnung zum sozialistischen Vorbild erlebt? Was ist von ihrem Ruhm geblieben? Der Film lässt Menschen aus erster Hand erzählen, was es heißt, ein Held zu sein. Und vor allem: Welcher Preis wurde dafür abverlangt?

Wann und wo
Russland zwischen Nostalgie und Aufbruch
Im Ersten
28.11.2011, 22.45 Uhr – Wohin steuert Russland?
28.11.2011, 23.30 Uhr – Helden der Sowjetunion
Nina Ponomarjowa, eine Sportheldin, gewann bei den Olympischen Spielen in Helsinki 1952 die erste Medaille für die Sowjetunion überhaupt. Sie erzählt von dem enormen Druck, der auf ihr lastete, als sie bei den nächsten Spielen in Melbourne wieder antreten musste. Eine andere Sowjetbürgerin, Valentina Tereschkowa, flog dagegen als allererste Frau ins Weltall.

Slawa Aksjonow und Viktor Lakomow wurden mit dem Leninorden ausgezeichnet, nachdem sie Breschnews „Ruf in die Taiga“ folgten und die Eisenbahn quer durch Sibirien mitgebaut haben. Stolz auf ihre Auszeichnung sind sie noch heute. Andere wiederum wurden eher unfreiwillig zu Helden.

So zum Beispiel der Generalmajor der sowjetischen Luftwaffe Nikolaj Antoschkin. Ihm oblag im April 1986 der Auftrag, den brennenden Schlund des Reaktors in Tschernobyl nach der atomaren Katastrophe zu stopfen. Er berichtet von seinen endlosen Stunden dieser lebensgefährlichen Mission. Und er setzt sich immer noch für das geistige Erbe der Sowjetunion ein.