Mittwoch, 14.01.2009

Konzernprofil: Gazprom - Russlands nationaler Stolz und Besitz

Die Pipelines des Gazprom-Systems sind die wichtigsten Arterien der Energieversorgung in Europa und Asien (Foto: TV)
Moskau. Groß, größer, Gazprom. Der Erdgasmonopolist ist Russlands größter und wichtigster Konzern. Fast eine halbe Million Menschen arbeiten bei Gazprom, zudem ist er der bedeutendste Steuerzahler des Landes.
Die Besonderheit von Gazprom (Gasprom) geht schon aus dem Namen hervor. Gazprom ist nämlich die Abkürzung für gasowaja promyschlennost (Gasindustrie). Tatsächlich ist Gazprom das Konglomerat praktisch sämtlicher sowjetischer Gasförderbetriebe auf russischem Boden.

Gazprom in Zahlen
Aktienkapital:
50,002 % staatlich
03,500 % E.ON Ruhrgas

Gasreserven: (geschätzt)
ca. 60% der Gas-Weltreserven
30 Bio. m3 Gas, 1,5 Mrd. t Öl

Marktkapitalisierung 1.2009:
85 Milliarden USD

Einnahmen 2007:
1774,98 Mrd. Rubel

Reingewinn 2007:
360,45 Mrd. Rubel

Steuern 2007:
505,2 Mrd. Rubel

Mitarbeiter:
436.000

Export- und Pipelinemonopolist für Gas


Ausserdem nennt Gazprom das gesamte russische Gasleitungsnetz von etwa 160.000 Kilometer Länge sein Eigen und darf als einziger Konzern in Russland Gas exportieren. Dieses Privileg ist durchaus wertvoll, da der Gaspreis auf dem russischen Binnenmarkt weit unter dem Weltmarktpreis liegt.

Das Ende der Sowjetunion bedeutete den Anfang von Gazprom als Unternehmen. 1989 wurde der Konzern als staatseigener Betrieb gegründet. Die Konzernleitung übernahm Viktor Tschernomyrdin, der bis dahin bereits als Gasminister die Geschicke der sowjetischen Gasindustrie gelenkt hatte.

Gazprom und Politik


Wer Gazprom führt, beherrscht Russland. Exemplarisch wird dieser Spruch am Aufstieg Tschernomyrdins. Anfang der 90er Jahre wurde aus dem „Roten Direktor“ des wichtigsten Staatsbetriebs der Ministerpräsident und zeitweise mächtigste Mann Russlands.

Zu seinem Nachfolger bei der ab 1993 offiziell als Aktiengesellschaft bestehenden Gazprom AG wurde Tschernomyrdins Stellvertreter und enger Vertrauter Rem Wjachirew. Als wichtigste Einnahmequelle Russlands hatte Gazprom in den krisengeschüttelten 90er Jahren enorme Macht und verfügte, nicht nur dank Tschernomyrdin, über beste Kontakte in den Kreml.

Die technische Schaltzentrale von Gazprom (Foto: TV)

Neue Führung seit 2001


Erst als 1998 trotz der Hilfe Gazproms der Staatsbankrott (Default) nicht abgewendet werden konnte, sank der Einfluss des Konzerns. Hatte Gazprom lange Jahre lang über die russische Politik mit bestimmt, so drehte Jelzins Nachfolger Putin den Spieß um und vertrieb die alte Gazprom-Führung aus den politischen Ämtern.

Seit 2001 sitzt mit Alexej Miller als Vorstands-Chef ein enger Vertrauter Putins an der Spitze des Konzerns. Präsident Dmitri Medwedew war vor seinem Amtsantritt lange Jahre Aufsichtsratsvorsitzender von Gazprom. Seit 2004 hat der Staat auch wieder die Aktienmehrheit an dem Unternehmen, die er zwischenzeitlich verloren hatte.

Gazprom will größter Konzern der Welt werden


Die Zukunftspläne von Gazprom sind gigantisch. Der Konzern baut nicht nur Förderung und Pipelinenetz gen Europa aus, sondern will in Zukunft auch nach China und Japan liefern. Zugleich hat Gazprom in den verganenen Jahren massiv im Ausland expandiert.

Innerhalb von sieben – acht Jahren werde Gazprom zum weltgrößten Konzern aufsteigen, prophezeite Miller Mitte 2008.

Gleichzeitig kündigte er einen Gaspreis von 500 USD (pro 1.000 Kubikmeter) am Jahresende und 1.000 USD in näherer Zukunft an. Diese Berechnungen hat die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise zunächst über den Haufen geworfen. Am Potenzial des Giganten gibt es dennoch keinen Zweifel.



Etwa zehn Prozent des russischen Erdgases werden abgefackelt


Außer von Gazprom wird in Russland heute Gas auch noch von von einigen kleineren Unternehmen gefördert. Erdgas fällt auch bei der Erdölförderung an. Das bisher (2008) meist einfach abgefackelte Begleitprodukt der Ölförderung – bis zu 10 Prozent der Gasgewinnung durch Gazprom – soll in Zukunft ebenfalls in das Gazprom-Leitungsnetz eingespeist werden. Problematisch ist noch die Verrechnung mit den russischen Ölkonzernen.