Wahl auf turkmenisch: 97 Prozent für Berdymuhammedow
Handball: Berliner Füchse überlisten russischen Bären
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Alexander Lukaschenko - das schwarze Schaf - am Ende? (Foto: rosbalt.ru)
Alexander Lukaschenko - das schwarze Schaf - am Ende? (Foto: rosbalt.ru)
Montag, 19.07.2010

Blockfreiheit oder letzte Tage des letzten Diktators?

Gisbert Mrozek, Moskau. Sind seine letzten Tage gezählt? Dem weissrussischen Präsidenten Lukaschenko wurde schon oft das Ende prophezeit. Jetzt wächst auch der Druck aus Moskau. Aber der "letzte Diktator Europas" hat noch einige eiserne Reserven.

Als hätte er vor, sich mit dem Kreml anzulegen, demonstrierte in den letzten Monaten Alexander Lukaschenko Nähe zu Politikern, die wie ein rotes Tuch wirken: erst gab er den gestürzten krigisischen Präsidenten Kurmanbek Bakijew Asyl in Minsk, dann durfte sogar der leibhaftige georgische Präsident Michail Saakaschwili im weissrussischen Fernsehen auftreten.

Bei Russland-Aktuell
• Transitpreis vereinbart - Gas-Konflikt ausgeräumt (02.07.2010)
• Gazprom schuldete Weissrussland 260 Millionen Dollar (30.06.2010)
• Neue Runde Gaskrieg: Lukaschenko droht mit Transitstopp (25.06.2010)
• Gazprom dreht Minsk den Gashahn noch weiter zu (23.06.2010)
• Minsk blockiert Transit: Gas-Bruderkrieg eskaliert (22.06.2010)
Das habe das Faß zum Überlaufen gebracht. Das sei heller Verrat, kommentierte im russischen Staats-TV Vesti24 der Ex-Fernsehmoderator Schwanidse, der als Demokrat gilt. Und Schwanidse übernahm denn auch den in der EU geprägten Begriff "der letzte Diktator Europas".

Und dann stieg auch noch der ebenso demokratisch orientierte, mittlerweile von Gazprom finanzierte Fernsehsender NTW mit einem Dokumentarfilm über Lukaschenkos Vetternwirtschaft und Repressionsapparat ein.

Beim Geld hörte die Freundschaft auf (und beim Gas und Öl auch)


Die immerwährende Völkerfreundschaft Minsk-Moskau war schon in einigen harten Konflikten um die Gas- und Gastransitpreise angeknackst. Wobei interessanterweise Lukaschenko regelmässig besser abschnitt, sowohl als Moskau jüngst (und vor einigen Jahren) den Gashahn ein wenig zudrehte, als auch als Moskau kurzfristig die Ströme von weissrussischer Milch und Quark in entgegengesetzter Richtung an der Grenze aufhielt.

Es scheint aber, als hätten zur Verschärfung des Bruderzwistes zwischen Minsk und Moskau auch einige persönliche Konflikte insbesondere mit Putin beigetragen.

Bei Russland-Aktuell
• Weißrussland schaukelt: EU bietet Kredithilfe an (23.06.2009)
• Minsk zieht Zöllner ab: Milchkrieg ist beigelegt (18.06.2009)
• Moskau und Minsk üben Fleisch-, Milch- und Gaskrieg (15.06.2009)
• Lukaschenko: den USA stehen alle Türen nach Minsk offen (30.06.2009)
• Weissrussland bittet die EU um Finanzierungshilfe (10.07.2009)

Die Eisernen Reserven des Batka Lukaschenko


Nun könnte man wirklich meinen, dass die letzten Tage des "Batka" Lukaschenko gezählt wären: In den USA hat er Einreiseverbot, die EU-Demokraten mögen ihn nicht, Moskau setzt ihn unter Druck. Da helfen auch ein paar freundschaftliche Gesten aus dem Fernen China nicht viel - und die nordkoreanischen Genossen sind ja nun auch nicht nur weit weg, sondern auch vor allem mit sich selbst beschäftigt.

Aber es gibt eine eiserne Reserve des Alexander Lukaschnko, die noch lange nicht erschöpft ist - und zwar die Unterstützung der weissrussischen Bevölkerung für ihn - die eben nicht durch Repression und Betrug generiert ist (die es auch gibt), sondern dem weissrussischen Wirtschaftswunder entwächst.

"Wir werden schlecht leben, aber nicht lange."


"Wir werden schlecht leben, aber nicht lange", hatte Lukaschenko in den 90igern seinen Wählern versprochen. Der Spruch wird immer noch kolportiert, heute aber schon mit dem Hintergrund, dass in Weissrussland tatsächlich eine real produzierende Land- und Volkswirtschaft existiert. Die Weissrussen leben sehr viel besser als ihre ukrainischen Nachbarn - und deutlich besser als die Russen oder auch die Litauer.

Bei Russland-Aktuell
• Warum Lukaschenko jetzt bleibt, aber demnächst geht (18.03.2006)
• Nach Gas nun Streit ums Öl: Auch Minsk fordert Zoll (04.01.2007)
• Moskau eröffnet Wirtschaftskrieg gegen Lukaschenko (10.01.2007)
Dies scheint nicht nur und gar nicht mal in erster Linie das Ergebnis von relativ günstigen Energiepreisen in den vergangenen Jahren zu sein (während Litauen immer deutlich über dem Weltmarktpreis bezahlte), sondern vor allem Resultat eines recht gut organisierten Wirtschaftsprozesses.

Das real existierende, blockfreie weissrussische Wirtschaftswunder


Das ist das grosse Plus des "Batka" Lukaschenko. Seine Eigenwilligkeit, seine Eigenarten und Spirenzien sehen ihm "seine" Weissrussen darum auch nach.

Das Weissrussland bis heute eine geradezu "blockfreie" Position zwischen Brüssel, Berlin und Moskau hält, macht ihn vielleicht sogar noch sympatisch. Der Begriff "der letzte Diktator" wirkt darum vor allem bei denen negativ, die nicht aus eigener Anschauung urteilen, sondern aus vorgefertigten Ideologemen.

Bei anderen würde er fast schon wie ein Gütesiegel und Markenzeichen eines Querdenkers wirken. Wenn da nur nicht die wirklich fiesen Repressionen wären, die es gegen die kleinen Reste der weissrussischen Volksfront und andere Abweichler in Minsk gibt.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Kesklin 13.08.2010 - 18:08

Trifft zu

Ich stimme mit Ihnen überein.Sicher \\r\\nist in vielen Dingen noch einiges im Argen. Das sage ich als Deutscher der nun schon über 2 Jahre in diesem Land zeitweise lebt. Denn mit dem sog.Demokratieverständnis was z.Zt. in Deutschland herrscht, ist es nun weiß Gott auch nicht mehr weit her. Ich fühle mich wohl hier, obwohl ich nicht zu den sog. Buisinessmany gehöre. Im Übrigen, meinen Respekt haben alle Leute hier, auch die, die es nicht geschafft haben, zu den Abweichlern zu gehören.


Paulsen-Consult 24.07.2010 - 21:59

Selbst wenn

Auch wenn vielleicht eine Mehrheit der Weißrussen Lukaschenko behalten wollte, dann könnte es vielleicht eine demokratisch legitimierte Diktatur werden. Eine Demokratie aber nicht, solange die Opposition keine Chance hat sich zu äußern und politisch zu formieren. Ohne Repression! Was mit blockfrei gemeint ist, verstehe ich auch nicht. In der Vergangenheit hat Moskau recht heftig mit L. geflirtet und sogar die Ukraine nährt sich wieder mit großen Schritten an.
Irgendwie scheint es auch so einen mentalen Block zwischen Russen, Weißrussen und teilweise auch Ukrainern zu geben. Mir kommt es so vor, als ob Viele dort die Mächtigen um so mehr verehren, je skrupelloser sie sich aufführen. Oppositionelle werden dagegen eher etwas spöttisch als Verlierer betrachtet.
Meinen Respekt haben die \"Abweichler\", wie es in diesem Artikel ausgedrückt wird, weil sie sich nicht einschüchtern lassen, trotz handfester Repressionen. Sei es in Weißrussland oder Russland selbst.


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Montag, 19.07.2010
Zurück zur Hauptseite







(Topfoto: Siegmund/.rufo)


Mail an die Redaktion schreiben >>>










Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Als Chef vom Dienst ist für Sie
im Moment im aktuellen Einsatz
Susanne Brammerloh, St.Petersburg

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
Kopf der Woche
Wahlkampf auf südossetisch: Staatsanwalt wird entlassen
Kommentar
Sozial und gerecht: Putin verteilt Wahlgeschenke an alle
St.Petersburg
Medwedew feuert Petersburger Polizeichef nach Skandal
Thema der Woche
Gemeinsam frieren: Dauer-Eiszeit in Russland und Europa
Moskau
Präsidentenwahl: für Putin 28, für Sjuganow 22 Prozent
Kaliningrad
Moskaus Ex-Bürgermeister macht jetzt Mist in Ostpreußen
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Montag, 13. Februar
19:22 

Russland will Blauhelm-Mission für Syrien prüfen

18:38 

Korruption: Oligarchen wollen Geld für Sotschi zurück

18:06 

Handball: Berliner Füchse überlisten russischen Bären

17:15 

Russische Jugendliche 4 Mal depressiver als im Westen

15:49 

Wahl auf turkmenisch: 97 Prozent für Berdymuhammedow

14:51 

Baustelle am Kreml – weiter unklar, was dort entsteht

13:49 

Wahlkampf auf südossetisch: Staatsanwalt wird entlassen

12:38 

Hurra! Kältefrei! Schule in Moskau fällt wegen Frost aus

10:46 

Sozial und gerecht: Putin verteilt Wahlgeschenke an alle

09:53 

GLONASS Navigations- und Ortungsgeräte werden Pflicht

09:02 

VTB-Chef: Putin wählen, damit er in 6 Jahren abtritt

01:01 

Russland Geschichte: Ein Sänger und ein Vizeadmiral

Sonntag, 12. Februar
01:01 

Russland Geschichte: Ochrana, Kant, Tadschikistan

Samstag, 11. Februar
02:15 

Russland Geschichte: Iran und Russland vor einem Krieg

Freitag, 10. Februar
18:47 

Offizielle Umfragewerte: Putin im 1. Wahlgang durch

18:13 

9. Russlandlounge: Russland und der deutsche Markt

17:09 

Viel Wind um nichts: 25 Euro Strafe für Putin-Demo

16:14 

Medwedew feuert Petersburger Polizeichef nach Skandal

15:22 

Sotschi-2014: Ski-Weltcup als erste Bewährungsprobe

13:45 

Der potomkinsche Express-Bus - langsam und unbequem

12:48 

Politischer Karneval und Menschenkette um den Kreml

12:15 

Chodorkowski gewinnt Gerichtsverfahren gegen Lagerchef

11:01 

Gemeinsam frieren: Dauer-Eiszeit in Russland und Europa

09:12 

Nach Überfall - Siegerin bei Präsidentenwahlen im Koma

01:01 

Russland Geschichte: Pasternak geboren

Donnerstag, 9. Februar
18:45 

KHL: Hockeyclubs fliegen nur noch mit Airbus und Boeing

18:17 

Putin will freie Januartage auf Anfang Mai verschieben

17:24 

Gorbatschow möchte Wählerliga anführen, soll aber nicht

16:37 

Putin plant patriotisches Meeting mit 200.000 Menschen

15:55 

Skepsis gegen schweizer Riesenpaar Glencore-Xtrata

15:18 

Fußball: Spalletti verlängert Vertrag bei Zenit SPb.

14:01 

Super-Flugzeugträger: Kosmos- und Unterwasser-Einsatz

11:40 

Präsidentenwahl: für Putin 28, für Sjuganow 22 Prozent

10:26 

Neue Atom-U-Boote und Atomraketen für Russland in 2012

09:02 

Noch ein Moskauer Jugendlicher springt in den Tod

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell






google.com
yahoo.com