Mittwoch, 16.05.2012

G8 und APEC: Putins und Obamas Beziehungsprobleme

Da strahle Obama noch, als er zum ersten Mal bei Präsident Medwedew in Moskau zu Gast war (Foto: TV)
Gisbert Mrozek, Moskau. Offiziell liegt es daran, dass leider der Terminkalender der beiden Präsidenten gerade an den beiden Gipfel-Daten schon voll ist. Putin muss sich dringend um die Regierungsbildung kümmern, Obama muss vor dem Nominierungsparteitag der Demokraten auftreten.
Wladimir Putin lässt sich beim G-8-Gipfel in Camp David zwar hochrangig von Regierungschef Dmitri Medwedew vertreten, aber allen Beteiligten ist klar, dass der Ersatzmann zwar plüschig nett, aber nicht vollwertig ist.

So wird denn auch die Themenliste Medwedews für die Gespräche mit Obama um die beiden Punkte "US-Raketenabwehrschirm" und "russisch-amerikanische Wirtschaftsbeziehungen" gekürzt. Diese Themen seien dem Präsidenten vorbehalten, heisst es aus dem Weissen Haus in Moskau.

Auch Obama wird Medwedew im Gegenzug protokollarisch tiefer hängen, als den russischen Präsidenten.

Tatsächlich ist Putins Absage ein sehr deutliches Signal, dass für ihn die Entwicklung seiner Pläne zur Eurasischen Union wichtiger sind, als Gespräche mit "dem Westen", von denen sowieso kaum Ergebnisse zu erwarten sind. Zu tief stecken alle anderen Teilnehmer in der Krise. Aber nicht nur dies.

Und in Sachen US-Raketenabwehr in Europa haben die USA bereits eindeutig alle russischen Vorschläge abgeschmettert und sich auf eine Form festgelegt, die von Putin als Bedrohung der nationalen Sicherheit betrachtet wird.

Zum G-20-Gipfel in Mexiko allerdings hat Putin reichlich Platz im Terminkalender - sind da doch die BRICS-Staaten alle dabei, die gemeinsam dabei sind, "den Westen" zu entthronen.

In derselben Richtung wird dann wohl auch der APEC-Gipfel im September in Waldiwostok wirken - zu dem Obama nicht kommen kann.

Obamas Absage allerdings ist beileibe kein Zeichen der Stärke. Dabei geht es gar ncht einmal so sehr um die taktische Schwäche, dass Obama kurz vor der US-Präsidentenwahl steht, sondern um die strategischen Probleme der USA im pazifisch-asiatischen Raum, besonders mit China.

Im Moment läuft das "Big Game" auf dem geopolitischen Schachbrett gar nicht richtig gut für die USA und "den Westen".

Und es möge niemand sagen, Geopolitik und "Big Game" seien doch völlig veraltete, konfrontative Kategorien, die in zeitgemässes, kooperatives Danken nicht hineingehören. Leider sind diese Kategorien die einzigen, die als zutreffende Erklärung für reale, machtpolitische Konzepte dienen können. Plüsch im Kopf ist nichts für Krisenzeiten.