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Samstag, 31.01.2009

Gaskrise (3): Russlands Gasreserven und Energieeffizienz

Fortsetzung des Russland-Aktuell-Gespräches mit Stephan Kohler (dena). Teil 3

R-A: Dann müsste Russland nur noch stabil liefern. Wir wissen zwar, dass Russland auch während des kältesten Kalten Krieges immer geliefert hat. In 2009 hatten wir keine Lieferkrise, sondern eine Transitkrise. Aber wie ist das in der Zukunft? Hat Russland überhaupt genug Gas?


Kohler: Gasmangel, der von manchen prophezeit wird, können wir nicht nachvollziehen. Alle vorliegenden Informationen besagen, dass es in Russland reichlich Gas gibt. Aber es muss natürlich auch in die Förderung investiert werden. Auch hier ist internationale Kooperation wichtig und sie findet auch schon statt.

R-A: ... Wintershall/WinGas und auch E.ON Ruhrgas sind da aktiv ...

Kohler: Aber es wird schwieriger wegen des Öl- und Gaspreisverfalls. Jedenfalls ist das eine Aufgabe, die international auf uns zukommt: Transportwege offenhalten und mit für die Förderung sorgen. Daran arbeiten, dass in Russland genügend Erdgasfelder neu erschlossen werden, die dann die Pipelines füllen können. Das ist jetzt noch kein brennendes Problem, aber in den nächsten 15 Jahren wird das stark auf uns zukommen.

"Vorsicht Gas !" - Gasreichtum kann auch Gift für die Wirtschaft sein. (Foto: Archiv)
"Vorsicht Gas !" - Gasreichtum kann auch Gift für die Wirtschaft sein. (Foto: Archiv)
R-A: Russland will vermehrt Energie und Gas für die Export sparen. Energieeffizienz wird auch in Russland modern. Kann die deutsche Wirtschaft - besonders in Krisenzeiten - davon auch profitieren?

Kohler: Deutsche Unternehmen sind sehr stark in Russland engagiert, darunter auch mittelständische Unternehmen.

R-A: In Welchen Bereichen?

Kohler: Anlagenbau, Maschinenbau, Ausrüstung und Baubereich. Von den Dämmstoffen über die effektiven Heizungsanlagen bis hin zum Know How bei der Umsetzung. Man braucht ja nicht nur Maschinen und Anlagen, sondern auch das Know How bei Umsetzung und Systemaufbau.

Deutsche Firmen haben da einen sehr guten Standard. Es geht dabei einerseits um technischen Know-How-Transfer, aber auch andererseits um die Schaffung der staatlichen Rahmenbedingungen und Instrumente. Vorschriften, Gesetze und Verordnungen müssen teils neu formuliert werden.

R-A: Eine der Konsequenzen aus der Gas-Transitkrise ist also eine deutsch-russische oder europäisch-russische Modernisierungspartnerschaft?

Bei Russland-Aktuell
• Steinmeier bietet Russland Modernisierungspakt an (16.05.2008)
• Steinmeier-Rede: Modernisierungspartnerschaft (1) (20.05.2008)
• Steinmeier-Rede: Modernisierungspartnerschaft (Teil 2) (20.05.2008)
Kohler: Aussenminister Frank-Walter Steinmeier hat das ja schon in seiner Rede in Jekaterinburg vor einem Jahr vorgeschlagen. Bie den deutsch-russischen Regierungsgesprächen im Oktober in St.Petersburg war das Thema Energieeffizienz auch sehr stark präsent - und zwar in allen Bereichen.

R-A: Ist denn da schon was passiert?

Kohler: Es gibt die Petersburger Vereinbarungen und jetzt Gespräche über die Umsetzung. Es geht hierbei um Energieffizienz entlang der Energie-Transportwege von Anfang bis Ende. Es fängt bei der Ölförderung an, wo Begleitgas genutzt werden kann, das bisher abgefackelt wird.

Es gibt eine ganze Kette von Förderung über Transport, Umwandlung und Nutzung, wo wir Effizien-Partnerschaft entwickeln. Das geschieht auf föderaler und kommunaler Ebene und mit Einzelbetrieben.

Mehr dazu im Internet
• www.energieforum.ru - Das Fachportal
• www.dena.de - Kompetenzzentrum Energieeffiziez

aktuell.RU ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.
R-A: Über welches Einsparpotential reden wir hier eigentlich? Was ist dran an den Geschichten von der gigantischen Energieverschwendung in Russland?

Kohler: Energieminister Schmatko hat ermittelt, dass Russland etwa 40 bis 50 Prozent gegenüber der Trendentwicklung des Energieverbrauchs bis zum Jahre 2020 einsparen kann. Um die Dimensionen klar zu machen: das entspricht der doppelten Energiemenge, die Russland gegenwärtig an Erdgas an die EU-Länder liefert. Das Doppelte des Gasexports nach Europa kann gespart werden.

R-A: Theoretisch ...

Kohler: Nein, praktisch. Das muss nur umgesetzt werden. Präsident Medwedew hat ja im Juli 2008 ein Dekret unterschrieben, mit dem genau diese Ziele umgesetzt werden sollen. Das Wirtschaftsministerium und das Energieministerium sind dabei, die nötigen staatlichen Programme auszuarbeiten.

R-A: Vielen Dank für das Gespräch und Guten Flug.


Teil 1 des Gesprächs (EU-Beobachter kamen zu spät) >>>


Teil 2 des Gesprächs (Gas-Konsortium muss Pipelines in der Ukraine flicken) >>>





Stephan Kohler ist langjähriger Geschäftsführer der Deutschen Energie Agentur (dena). Das Gespräch für Russland-Aktuell führte Gisbert Mrozek.



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