Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister
Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Stephan Kohler ist Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur DENA (Foto: dena.de)
Stephan Kohler ist Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur DENA (Foto: dena.de)
Samstag, 31.01.2009

Folgen der Gaskrise: Russlands Gas genug für China u. EU?

Moskau. Die Ostseepipeline hat Auftrieb. Die deutsche Wirtschaft kann in Modernisierungspartnerschaft mit Russland kräftig an Energieffizienz profitieren. Macht die EU die richtige Energie-Aussenpolitik? Gespräch mit S. Kohler.

Stephan Kohler ist langjähriger Geschäftsführer der Deutschen Energie Agentur (dena). Das Gespräch für Russland-Aktuell führte Gisbert Mrozek.

Russland-Aktuell: Wäre eigentlich die diesjährige Gas-Transitkrise vermeidbar gewesen?

Bei Russland-Aktuell
• Russland will Beteiligung bei Gas-Transit-Kontrolle (09.01.2009)
• Merkel mischt sich ein: EU-Beobachter sollen Gas zählen (07.01.2009)
• Kiew und Moskau geben Beobachtermission grünes Licht (09.01.2009)
• Ukraine hat Gas-Kontroll-Abkommen nicht unterschrieben (10.01.2009)
• Trotz unterschriebener Dokumente fließt Gas noch nicht (12.01.2009)
Kohler: Die internationalen Beobachter sind zu spät zum Einsatz gekommen. Es war ja seit langem bekannt, dass wir auf einen Gaskonflikt zusteuern. Um diesen in normale Bahnen zu lenken, hätten die Beobachter aus der EU, Russland und der Ukraine schon zu Neujahr vor Ort an den Pipelines sein müssen. Sie hätten von Anfang an kontrollieren müssen, wer was einspeist und was weitergeleitet wird. Einige Streitpunkte und wechselseitige Schuldzuweisungen wären dann gar nicht erst aufgetaucht.

R-A: Ja, erstaunlich, dass man sich auch in Brüssel nicht vorbereitet hatte. Gazprom hat dann schon am 2.Januar von sich aus die Beobachtermission vorgeschlagen. Warum hat es dann noch so lange gedauert?

Kohler: Man hat sich nicht über Aufgabenstellung, Befugnisse und Einsatzorte einigen können. Die Ukraine war ja anfangs auch gegen russische Beteiligung.

R-A: Vielleicht hätte die EU energischer darauf hinarbeiten müssen?

Kohler: Die Beobachtergruppe hätte viel früher aufgestellt werden müssen. Und dann hätte man aus Brüssel stärker auf die zwei Konfliktparteien einwirken müssen. Durch Messungen an den Einspeise- und Abgabepunkten der Transitipelines hätte man feststellen können, wer hier technisch falsch spielt.

Gleich nach Neujahr hatten wir in Europa ja verstanden, dass Russland liefern will, aber kein Geld und keine Resourcen zu verschenken hat. Später konnte die Öffentlichkeit aber nicht mehr nachvollziehen, ob die von Russland angebotene Einspeisung an der ukrainischen Grenze auch realisierbar und weitertransportierbar gewesen wäre. Die öffentliche Meinung wendete sich gegen beide Seiten, teils sogar stärker gegen Russland.

R-A: ... wenn demnächst wieder ein Gas-Transitkonflikt am Horizont aufzieht, wird man ja vielleicht prophylaktisch Beobachter installieren können. Aber was sind die energiepolitischen Konsequenzen für Europa aus dem Konflikt?

Kohler: Es gibt einige gasseitige Schlussfolgerungen und einige strategische Konsequenzen für die Energiepolitik im Allgemeinen und in Richtung Ukraine und Russland im Besonderen.

R-A: Was wären denn die gasseitigen Sofortmassnahmen?

Kohler: Es geht einerseits um Aufbau und Ausbau der Gas-Speicherkapazitäten vor allem in Südosteuropa; es geht andererseits darum, dass wir Alternativen zu den Transportwegen bekommen. Die Ostseepipeline und Nabucco haben Rückenwind bekommen.

R-A: ... und die South-Stream-Pipeline, die von Russland aus durch das Schwarze Meer nach Bulgarien gebaut werden soll?

Bei Russland-Aktuell
• Putin: Flüssiggas ist Alternative zu Ostsee-Pipeline (13.11.2008)
• Energie: Belgrad ratifiziert Vereinbarung mit Moskau (09.09.2008)
• EU hofft: Beendet Kaspi-Pipeline Russlands Gas-Monopol? (20.05.2008)
• Serbien bestätigt Gaskooperation mit Russland (09.05.2008)
• „Gaz de France“ beteiligt sich womöglich an South Stream (07.02.2008)
Kohler: Ja, das war aber eher eine Diskussion in der Region. Bei uns spielte das keine Rolle. Wir haben über Ostseepipeline und Nabucco geredet. Wobei es da einen wichtigen Unterschied gibt, denn eine Pipeline nützt ja nichts, wenn hinten keine Quelle dran ist, wo eingespeist wird. Bei Nabucco ist das noch unklar, im Unterschied zur Ostseepipeline. Nabucco kann eigentlich nur funktionieren, wenn der Iran hier einspeisen würde.

R-A: Mit Nabucco könnte es also klemmen. Würde die Ostseepipeline denn ausreichen?

Kohler: Nein, wenn man die zu erwartenden Steigerungen beim europäischen Gasverbrauch berücksichtigt. Darum gibt es jetzt auch mehr Rückenwind für Flüssiggas, für LNG. Da kann man von pipelineunabhängigen Transportwegen profitieren. Das macht das System flexibler. Europa kann auch von anderen Ländern beziehen. Aber es kann auch nach hinten losgehen, denn Russland kann natürlich auch leichter an andere Länder verkaufen.

R-A: An China zum Beispiel, das immer energierhungrig ist, auch in der Krise.

Kohler: China ist bis jetzt kein LNG-Kunde. LNG-Systeme sind teurer aufzubauen als Pipelinenetze. Und China ist vom russischen und mittelasiatischen Gas auch nicht weiter weg, als Nabucco lang ist.

R-A: Was steht es denn in den drei-vier Jahren, solange es LNG, Ostseepipeline, South-Stream und Nabucco noch nicht geben wird,
mit der Energiesicherheit für Europa? Können wir denn jetzt davon ausgehen, dass der Transit durch Weissrussland / Polen und die Ukraine stabil funktionieren wird?

Fortsetzung des Gespräch mit Stephan Kohler über die Folgen der Gas-Transitkrise >>>


Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Samstag, 31.01.2009
Zurück zur Hauptseite







(Topfoto: Siegmund/.rufo)


Mail an die Redaktion schreiben >>>








Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>


Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Kopf der Woche
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Freitag, 25. Mai
20:02 

CH-Staatsanwälte legen Deripaska-Klagen zu den Akten

18:27 

Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister

18:03 

Baku: Missklänge beim Grand Prix – vorrangig politisch

17:09 

26-facher Mumienmacher muss in psychiatrische Klinik

16:26 

Medwedew will „Einiges Russland“ intern demokratisieren

14:37 

Russische Motorradfahrer im Irak freigelassen

13:28 

Fünf Tote: Familientragödie unter Russen in den USA

12:47 

Schlägerei bei Sprach-Debatte im ukrainischen Parlament

11:09 

Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei

09:27 

Ferien! Heute letzter Schultag für Russlands Schüler

01:03 

Russland Geschichte: Aus finstersten Tiefen

Donnerstag, 24. Mai
18:22 

ESC: udmurtische Äffin sagt Sieg der Babuschki voraus

17:57 

Russland verliert Raketen-Radarstation in Aserbaidschan

17:22 

Trotz Timoschenko: Polen und Ukraine erwarten gute EM

16:14 

Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns zeigen!“

15:04 

Alu-Zar Deripaska verliert Petersburger Großprojekt?

13:58 

Minister verspricht Abschleppdienst per Helikopter

12:42 

Irak: Vier russische Biker sitzen in Militär-Gefängnis

12:13 

Vergewaltigtes Kind im Müllschlucker: 22,5 Jahre Haft

10:53 

Kremlwache kauft Atomschlag-sichere Kinder-Wiegen

09:23 

Demonstrantenführer Udalzow wieder auf freiem Fuß

01:03 

Geschichte Russland: Die „Aurora“ läuft vom Stapel

Mittwoch, 23. Mai
18:23 

Moskauer sollen eigene Speakers Corners bestimmen

17:53 

Ukraine lehnt Behandlung von Häftlingen im Ausland ab

17:13 

Verletzte bei Bruchlandung von Militärflugzeug

16:24 

Vor der EM: Sportjournalist pöbelt über Nationalspieler

15:11 

Tschetschenische Saurier-Eier sind profane Steine

13:51 

Kapitalflucht aus Russland kann auf 100 Mrd. USD steigen

12:35 

Anti-Alkoholkampagne: Wodka in Jakutien nur nachmittags

12:04 

Rosneft-Boss Setschin – der Mann, der Yukos beerbte

10:20 

Russlands Pop-Omas singen sich ins Finale des ESC

08:53 

Gorbatschow dementiert Gerüchte über seinen Tod

01:03 

Russland Geschichte: Schachkönig Karpow geboren

Dienstag, 22. Mai
18:33 

Späte Wiedergutmachung: Beutekunst zurück in Russland

17:55 

Studienplätze: Bildungsminister hat schlechten Einstand

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com