Freitag, 22.03.2013

Pleite oder nicht, noch ist Zypern für Russland nicht verloren

Die Palmen auf Zypern bleiben als Traumziel erhalten, auch wenn russische Finanzhaie ein paar Milliarden verlieren. (Archiv/rufo)
Moskau. Die zyprische Verhandlungsdelegation unter Fianzminister Sarris fliegt enttäuscht zurück nach Nikosia. Die Gespräche hätten keine Ergebnisse gebracht und daheim veschärfe sich die Lage, sagte Sarris. Was waren die Gründe für das Scheitern und wie kann es weitergehen?
Schon am ersten Verhandlungstag hiess es auf russischer Seite, die Zyprioten hätten eigentlich keine kohärenten neuen Vorschläge mitgebracht. Man wisse eigentlich gar nicht so recht, worüber die reden wollen.

Nicht gerade förderlich für die Gespräche und das europäisch-russischer Verhältnis war das Verdikt der Bundeskanzlerin, das EU-Land Zypern habe ja wohl mit der EU-Troika zu verhandeln und nicht mit Dritten.

EU will lieber Russland zurückdrängen


Offensichtlich gab es auf EU-Seite wenig Interesse, Russland in eine Lösung einzubeziehen - zumal ja möglicherweise auch ein Brüsseler Hintergedanke in der Krisenstrategie sein könnte, bei dieser Gelegenheit Russlands Einfluss auf Zypern zurückzudrängen, statt zu institutionalisieren.

Tatsächlich war Zypern doch schon recht weit nach Russland gedriftet. Orthodoxen Glaubens, der (jetzt nicht wiedergewählte) Präsident des russischen mächtig, eine starke russische Kolonie, 220.000 russische Touristen pro Jahr. Der visafreie Verkehr erleichterte die Wirtschaftsbeziehungen.

Jeder dritte Auslandseuro auf Zypern war immerhin russischen Ursprungs, Zypern war wichtigstes Transitland für Investitionen - und eines der wichtigsten für Kapitalflucht und Schwargelder.

Da war man in Brüssel doch froh, dass wenigstens der neue Präsident Anastasiadis westorientiert ist.

So war es denn auch wenig erstaunlich, dass die EU-Russland-Gespräche in Moskau - obwohl ja auch noch der zyprische Finanzminister eben dort weilte - nicht für eine Lösung genutzt wurden. Während Barosso im Plenum redete, spielte Medwedew auf seinem iPad, notierten Beobachter.

Eine Verlängerung oder gar Aufstockung des alten russischen 2,5-Milliarden-Euro-Kredits kam schon deswegen nicht in Frage, weil damit die von der EU gesetzte Schuldenobergrenze für Zypern überschritten worden wäre.

Eine Teilübernahme von zyprischen Pleitebanken (auch vermittelt über Staatsfonds oder Nationalisierung) durch moskauer Geldinstitute war für diese auch nicht besonders interessant, haben sie doch sowieso schon einige -zig Milliarden an Krediten nach Zypern gegeben, die jetzt gefährdet sind und bleiben.

Lieber gute gelaunte Türken, als die zyprische Gas-Katze im Sack zu kaufen


Auch die auf den ersten Blick so attraktiven zyprischen Offshore-Gasfelder lockten Moskau nicht. Gazprom und Rosneft erklärten, über die Gasvorkommen sei noch zu wenig bekannt. Die seismologischen Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen. Man wollte also die Katze im Sack nicht kaufen.

Zumal ein Einstieg hier auch einen Konflikt mit der Türkei provoziert hätte. Die Türkei hatte rechtzeitig darauf verwiesen, dass die Gasfelder ja nicht nur dem Süden der Insel gehören würden, sondern auch dem türkischen Nordteil.

Für Russland wäre es dumm, die doch etwas grössere Türkei zu verprellen, die auch im Gasgeschäft dank Blue-Stream und anderen Projekten wichtiger ist, als das Mittelmeer-Eldorado der Spekulanten.

Und dann scheint im Hintergrund noch ein Faktor gewirkt zu haben: Wladimir Putin scheint wenig daran interessiert, den Kapitalkfluchtkanal Zypern mit Milliardeneinsatz funktionsfähig zu halten. Das würde auch im Lande nicht gut wirken. Strategisch ist ihm mehr an Investitionen in Russland gelegen.

Insofern hilft der Druck aus Brüssel Putin sogar.

Und damit ist ja auch Zypern noch lange nicht verloren, zumal die Wut der Zyprioten sich sowieso nicht gegen Moskau, sondern gegen Brüssel und Berlin richtet.