Mittwoch, 14.03.2007

Putin, Papst und Patriarch – Dialog auf Deutsch

Patriarch Alexi II hat keine Probleme, mit protestantischen Kirchenleuten zu reden. Im Dialog mit dem Vatikan klemmt es allerdings noch. (Foto: Packeiser/.rufo)
Gisbert Mrozek, Moskau. Besser könnten die Karten eigentlich kaum liegen. Papst und Patriarch sind Deutsche. Vatikan und Moskau stimmen außenpolitisch weithin überein: Dialog der Kirchen und Kulturen statt Clash of Civilisations.
Das ewige West-Ost-Schisma scheint plötzlich überwindbar.

Unter Karol Woytila wäre das nicht passiert. Zwar traf Wladimir Putin bereits 2000 und 2003 im Vatikan den Pontifex aus Polen. Eine gemeinsame Sprache schienen die beiden allerdings nicht gefunden zu haben.

Bei der jetzigen Audienz konnten Putin und Papst Benedikt sich 40 Minuten lang ohne Übersetzer auf Deutsch unterhalten. Putin überbrachte – auf Deutsch - die Grüße des Moskauer Patriarchen Alexi des Zweiten, Ridiger mit bürgerlichem Namen.

Joseph Ratzinger bedankte sich bei Putin für die Grüße aus dem Dritten Rom, das die Oberhirtenschaft des Vatikan noch nie anerkennen wollte.

Papst und Patriarch, Bayer und Balte, Ratzinger und Ridiger


Papst und Patriarch, Ratzinger und Ridiger könnten eigentlich auch ohne Vermittler und Übersetzer miteinander reden. Beide gehören einer Generation an. Alexej Michailowitsch Ridiger, der 1929 in Tallin in der baltendeutschen Familie von Rüdiger geboren wurde, spricht gut Deutsch.

Dennoch vermieden Papst und Putin es gestern sorgfältigst, über ein persönliches Treffen des Bayern mit dem Balten, des Oberhirten West mit dem Oberhirten Ost zu sprechen. Denn dem stehen –noch- alte Streitigkeiten im Wege.

Die Moskauer Kirchenfürsten sind seit langem verärgert, weil die katholische Kirche und vor allem die ukrainischen Unitarier ihre Pfründe nicht respektieren, sondern ihnen vor allem in der Ukraine die Gläubigen abwerben.

Über die Missionstätigkeit katholischer Organisationen in Russland sprachen denn auch Putin und Benedikt.

Ist doch eigentlich auch ganz schön, wenn Deutsch mal die Sprache des Dialoges ist


Allerdings wird in Moskau registriert, dass die Abwerbung, die unter Woytila aktiv betrieben worden sei, seit dem Wachwechsel im Vatikan fast aufhörte. Erstens also wurde der Konfliktstoff weniger – und zweitens unwichtiger. Geht es doch aus Moskauer Sicht darum, den Untergang des christlichen Abendlandes zu verhindern.

Dem Weltuntergangs-Konzept des Kampfes der Kulturen wird von Moskau zunehmend ein Konzept des Dialogs der Kulturen entgegengestellt. Ökumene eingeschlossen. Jedenfalls scheinen die Dialog-Predigten besser, als zum Kreuzzug gegen alle die zu rüsten, die sich das Wertesystem Made in Hollywood nicht zu eigen machen möchten. Ist doch eigentlich auch ganz schön, wenn Deutsch mal die Sprache des Dialoges ist.

Gisbert Mrozek, Moskau. (gim/.rufo/Moskau)