Freitag, 14.09.2012

Sacharow-Preis für Pussy Riot? – Das geht zu weit!

Hopsen vor einem Altar in Moskau - Einsatz für die Menschenrechte? (Foto: TV)
Susanne Brammerloh, St. Petersburg. Geht es nach dem grünen Europa-Abgeordneten Werner Schulz, bekommt die Moskauer Punkrockband Pussy Riot 2012 den Sacharow-Preis für Menschenrechte. „Geht es noch?“, möchte man rufen.
Pussy Riot neben Nelson Mandela? Eigentlich kaum vorstellbar. Das Hopsen und Kreischen in der Christ-Erlöserkathedrale in Moskau, das die Damen im Februar veranstaltet hatten und für das drei von ihnen (zu Unrecht) zwei Jahre Lagerhaft bekommen haben, lässt sich kaum auf eine Ebene mit dem Mann stellen, der sich sein Leben lang für die Gleichberechtigung der Schwarzen in Südafrika eingesetzt hat.

Der gehört nämlich zu den Preisträgern der 1988 eingeführten Auszeichnung. Seither verleiht das Europaparlament sie jährlich an bekannte internationale Menschenrechtler. Jetzt könnte also die schrille Frauenband aus Moskau in den Genuss der ehrenwerten Prämie kommen. Die Initiative dazu geht von dem deutschen Grünen Werner Schulz aus, der außerdem in der EU-Russland-Kommission tätig ist.

Peinlich, peinlich. Ist das Niveau der heutigen Politik tatsächlich schon so tief gesunken, dass ein paar (mit Verlaub) ungezogene Gören zu Märtyrern der Meinungsfreiheit hochstilisiert werden? Zugegeben, die Strafe für die drei Frauen ist zu hart ausgefallen und Russland hat sich mit dem Urteil furchtbar in die Nesseln gesetzt. Aber…

Pussy Riot als Anwärter auf den Sacharow-Preis ist ein Nonsens ohnegleichen. Die Anti-Russland-Hysterie im Westen treibt des Öfteren schräge Blüten, aber sooo schräg hatten wir es bisher nie. Bleibt nur zu hoffen, dass die vernunftbegabten Politiker in Brüssel noch nicht ausgestorben sind.