Montag, 10.10.2005

Schröder geht zu Gazprom?

Brisisch-russichen Gerüchten zufolge ist Schröder schon als Gas-Lobbyist auf Kurs Nordost. (foto: newsru)
St. Petersburg. Der scheidende Bundeskanzler Gerhard Schröder will angeblich in die Wirtschaft soll er sich bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin geäußert haben. Gerüchten zufolge handelt es sich um Gazprom.
Wie die britische Zeitung „The Times“ aus deutschen diplomatischen Kreisen erfahren haben will, könnte der russische Gas- und Ölkonzern Gazprom Schröders neuer Arbeitgeber sein. Immerhin sei Gazprom durch die jüngst beschlossene Übernahme von Sibneft, dem Ölgeschäft des Fußballmäzens und Kreml-loyalen Oligarchen Roman Abramowitsch, ein neuer Global Player auf dem Energiemarkt und bei den gegenwärtigen Ölpreisen wohl durchaus in der Lage, auch einem deutschen Ex-Kanzler ein mehr als angemessenes Berater-Gehalt zu zahlen.

Die seit Jahren bestehende Gazprom-Beteiligung der E.ON-Tochter Ruhrgas, Schröders über staatsmännisches Smalltalk weit hinaus gehende freundschaftliche Verbindungen zu Wladimir Putin und sein Engagement für das Zustandekommen der russisch-deutschen Ostseepipeline sollten ihn ebenfalls für eine Rolle als internationaler Lobbyist des Kreml-nahen Konzerns qualifizieren.

Putin und seine guten Freunde

Auch in Russland spekulierte man seit dem deutschen Wahl-Patt schon darüber, ob Putin für Schröder nicht einen netten Ruhestands-Job übrig hätte. Schließlich gehört es zur Geschäftspraxis des russischen Präsidenten, überflüssig gewordene Politiker aus seinem Dunstkreis nicht in die Wüste zu schicken, sondern mit gesichtswahrenden Posten und Positionen zu versorgen: So mancher Ex-Premier (wie Tschernomyrdin) oder Ex-Gouverneur (der Wladiwostoker Nasdratenko oder der Petersburger Jakowlew) bekam von ihm einen netten Botschafter- oder Ministerposten zugeschoben.

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft - und große Geschenke große Freundschaften. Für den Putin immer loyalen gesinnten, im Frühjahr aber gestürzten kirgisischen Präsidenten Askar Akajew gab es immerhin auch Asyl in Russland.

Schröder als Wiedergutmachung für Chodorkowski?

Gerhard Schröder also als neues Gesicht des halbstaatlichen russischen Rohstoffbusiness? Ein echter Ex-Kanzler als des Kremls Antwort auf den internationalen Image-Schaden namens Yukos-Affäre? Wenn dem so sein sollte, wäre zumindest klar, warum Schröder mitten in der heißen Phase der Verhandlungen über eine Große Koalition am Freitag unbedingt noch schnell für einen Abend nach St. Petersburg fliegen musste: Nicht nur um ganz privat seinem Männerfreund Wladimir zum 53. Geburtstag zu gratulieren. Sondern um vor dem finalen Handschlag mit Angela Merkel die Wetterbedingungen auf seinem neuen Ersatz-Landeplatz auszukundschaften ...

(ld/rufo)