Dienstag, 28.01.2014

Ukraine: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

Nikolai Asarow nimmt nach den monatelangen Protesten seinen Hut (Foto: Minfin Ukrainy)
Kiew. In Kiew tritt Premier Nikolai Asarow zurück. Der Schritt ist Voraussetzung für einen Kompromiss zwischen Regierung und Opposition, doch mit dem langen Zögern hat sich die ukrainische Führung das Leben selbst schwer gemacht.
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Die Erfahrung Michail Gorbatschows muss nun auch einer seiner „Erben“ in der Ex-Sowjetunion machen. Ukraines Premierminister Nikolai Asarow bietet seinen Rücktritt an, „um eine friedliche Regulierung des Konflikts zu ermöglichen“. Die Entscheidung ist richtig, sie kommt aber reichlich spät, möglicherweise zu spät für Präsident Viktor Janukowitsch.

Schritt war lange überfällig


Vor zwei Monaten hätten die Demonstranten den Rücktritt der Regierung als Sieg gefeiert. Damals hatte das Kabinett das Assoziationsabkommen mit der EU eine Woche vor der geplanten Unterzeichnung platzen lassen - viel zu spät, um ohne Gesichtsverlust aus der Angelegenheit herauszukommen.

Hätte Janukowitsch damals Asarow und dessen nach der blutigen Niederschlagung der zunächst noch friedlichen Proteste verhassten Innenminister Witali Sachartschenko als Bauernopfer aufgegeben, dann hätte sich der ukrainische „Monarch“ mit einer Regierungsrochade in Sicherheit bringen können.

Doch Janukowitsch spielte auf Zeit, wollte die Proteste aussitzen und seine Gegner dann mit einem überraschenden Flankenmanöver - sprich: das umstrittenen Demo- und Pressegesetz - Matt setzen. Doch die Initiative ist längst an die Gegenseite übergegangen, wie die Aufgabe einer Position nach der anderen verdeutlicht. Der Opposition aber reicht der Bauer nun nicht mehr, sie will den König.