Montag, 14.03.2011

Mythos Bernsteinzimmer Teil II – Nadel im Heuhaufen?

Das Bernsteinzimmer als Rekonstruktion in Zarskoje Selo. (Foto: ld/.rufo)
Wuppertal. Keine Sorge, das Bernsteinzimmer ist noch nicht gefunden. Russland-Aktuell sprach in der Zwischenzeit aber mit dem Initiator der Wuppertaler Forschungen. Er erzählte uns von seinen Gedanken und heißen Spuren.
Dipl.-Ing. Karl-Heinz Kleine (64), Sprecher der Interessengemeinschaft zur Erforschung historischer Ereignisse und im richtigen Leben mittlerweile Rentner, verfolgt eine Spur, die der ehemalige Gauleiter von Ostpreußen und Reichskommissar der Ukraine, Erich Koch gelegt haben könnte.

Der „braune Zar“ regierte von der Ostsee bis ans Schwarze Meer. Damit war der Günstling des Führers dessen größter Territorialherr. Im Zuge seiner Unmenschlichkeit gegen die Ukrainer wird Koch für den Tod von über einer Million Menschen verantwortlich gemacht. Und er stammte ursprünglich aus Wuppertal.

Wer war Erich Koch?


Die Schlüsselfigur zum Bernsteinzimmer wäre demnach Erich Koch. Als NS-Gauleiter Ostpreußen regierte er in Königsberg mit strenger Hand und hatte Zugang zum Führerhauptquartier. Somit dürfte Koch auch über sämtliche militärischen Aktionen bestens informiert gewesen sein.

Zwei Kunsträuber unter sich. Alfred Rosenberg und Erich Koch (rechts) in der Ukraine. (Foto: Bundesarchiv)
Außerdem hat Erich Koch geklaut wie eine Elster. Dem ausgeprägten Kunstsammler fiel nicht nur das legendäre Bernsteinzimmer in die Hände. So riss er sich 64 Kisten Gemälde aus Charkiw und Kiew unter den Nagel und bediente sich ungeniert am „Prussenschatz“. Von den Wertgegenständen der von ihm Getöteten ganz zu schweigen.

Die heiße Spur nach Wuppertal


Die Nazigröße Erich Koch war es dann auch, die Karl-Heinz Kleine dazu veranlasste, die Suche nach dem Bernsteinzimmer und all den anderen Kunstschätzen in Wuppertal fortzusetzen. In einem Interview erzählte er Russland- Aktuell, warum er überzeugt ist, dass die Stadt als mögliches Versteck in Frage käme.

R-A: Guten Tag Herr Kleine. Hätten Sie ein paar Minuten Zeit für uns?

K.-H. Kleine: Aber für Sie doch immer.

R-A: Nun Herr Kleine, was macht die Schatzsuche?

K.-H. Kleine (muss lachen): Ich sage Ihnen ganz ehrlich, ich habe mich ja an Russland-Aktuell gewandt, um vielleicht noch an weitere Informationen zu gelangen. Und zum anderen versuchen wir auf diesem Weg auch ein oder zwei Sponsoren zu finden, denn das Ganze ist ja nicht einfach zu finanzieren.

Wir haben zwar jegliche Unterstützung der Stadt Wuppertal, aber natürlich auch Auflagen. So müssen wir die von uns untersuchten Objekte zum Beispiel alle hinterher wieder verschließen. Dafür jedoch brauchen wir Helfer und Fachkundige, die uns unter die Arme greifen. Ansonsten kostet uns das eine Stange Geld.

Und eines kann ich Ihnen versichern: Sollten wir etwas finden, geht das auf alle Fälle wieder nach Russland zurück, da brauchen wir gar nicht drüber zu diskutieren! Deswegen hoffen wir ja auch, dass uns deswegen die Leute, die in Russland davon partizipieren, auch ein wenig unterstützen.

Das „Baltische Gold“ von seiner schönsten Seite. Ein bereits geschliffener Bernsteinbrocken (Foto: tp/.rufo)
R-A: Ihre Suche befasst sich mit einer vagen Spur nach Wuppertal. Haben Sie außer der Tatsache, dass Erich Koch damals die notwendigen Verbindungen gehabt hätte, noch einen anderen Anhaltspunkt für Ihre Vermutung?

K.-H. Kleine: Nein, das nicht. Sagen wir es mal so: Der Initiator des Diebstahls war ja Erich Koch, das ist bekannt. Ein Mensch in seiner Position, der Herr über 65 Millionen Menschen ist, konnte sich erlauben, selbst zum Führer zu sagen: „Ich würde das gerne behalten.“

Außerdem verstand sich Koch gut mit Göring, die beiden kamen sich also nicht in die Quere bei ihren Beutezügen. Durch seine Herkunft aus Wuppertal kannte Erich Koch diese Stadt natürlich wie seine Westentasche.

R-A: Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass das Bernsteinzimmer erst vor den anrückenden Roten Armee fortgeschafft wurde….

K.-H. Kleine (lässt mich erst gar nicht ausreden): …ach das ist doch vollkommener Blödsinn! Ab Januar 1945 war Königsberg von der Roten Armee eingekesselt. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass dann noch ein Transport aus der Stadt möglich gewesen wäre. Das ist doch Unsinn…

Und verbrannt ist es auch nicht. Wie Sie bestimmt wissen, verbrennt Bernstein rückstandslos. Die wenigen Bernsteinfragmente, die auf dem Gelände gefunden wurden, waren mehr oder weniger der Abfall der Werkstätten, die sich hier befanden. Die haben sicherlich nichts mit dem Bernsteinzimmer zu tun.

Das Bernsteinzimmer muss demnach aus Königsberg hinausgeschafft worden sein. Und da sind wir wieder bei Erich Koch…

Was Karl-Heinz Kleine uns noch über sein Projekt zu erzählen hatte, erfahren Sie in Kürze im dritten Teil unseres Berichtes.