Freitag, 26.11.2010

Schweizer Komponist Emil Frey: Rückkehr nach Russland

Emil Frey wurde 1910 als Komponisten-Jungstar in St. Petersburg gefeiert (Foto: Konzertplakat)
St. Petersburg. Vor 100 Jahren wurde er als 21-Jähriger Musik-Professor in Russland, doch heute ist er vergessen: Nun wird der Komponist Emil Frey am 3. Dezember in der Philharmonie für das Publikum wieder entdeckt.
Vor 100 Jahren gewann der aus Baden in der Schweiz stammende Emil Frey in St. Petersburg den Großen Kompositionspreis beim Anton Rubinstein-Wettbewerb sowie einen Spezialpreis als Pianist.

Daraufhin wurde er eingeladen, in Moskau am Konservatorium eine Klavierklasse zu übernehmen: So wurde er mit nur 21 Jahren Professor in Moskau und blieb bis zur Revolution dort. Nach 1917 kehrte er in die Schweiz zurück und unterrichtete bis zu seinem Tod 1946 am Zürcher Konservatorium.

Frey war ein begnadeter Pianist und Komponist, spielte auf Tourneen in Südamerika, Europa und sogar in Ägypten. Sein Werk umfasst mehr als 100 Opuszahlen - doch das meiste davon ist bis heute ungedruckt.

Schweizer Pianistin auf Frey-Spuren in Petersburg


Denn Emil Frey ist so gut wie vergessen, sowohl in der Schweiz wie auch weltweit. Völlig zu Unrecht, meint die 27 Jahre alte Schweizer Pianistin Luisa Splett, die seit einigen Jahren in St. Petersburg lebt und studiert. Gegenwärtig schreibt sie eine Doktorarbeit über Frey.

Schon lange wollte Splett in der St. Petersburger Philharmonie ein Konzert mit Musik von Emil Frey organisieren. Nun ist es so weit: Am 3. Dezember (Konzertbeginn: 19 Uhr) wird im Kleinen Saal der Philharmonie ausschließlich Musik von Emil Frey gespielt.

Das Programm ist vielfältig gestaltet, um die verschiedenen Stile und Formationen des Komponisten repräsentieren zu können. Im Vordergrund steht natürlich das Repertoire für Klavier solo. Daneben werden Lieder vorgetragen und jenes ungewöhnliche Klaviertrio, mit dem Emil Frey vor hundert Jahren den Preis gewonnen hat.

Musikalische Enkel und Urenkel von Emil Frey


Als Musiker wurden dafür Karl-Andreas Kolly, Professor der Zürcher Hochschule der Künste (Klavier), Axel de Jenlis aus Frankreich (Violoncello), Haruko Wada aus Japan (Violine), Julia Sawrasowa (Sopran) aus Russland gewonnen – und Luisa Splett tritt selbstverständlich auch auf.

Schließlich ist die gebürtige Winterthurerin selbst eine erfahrene Konzertpianistin mit zahlreichen Auftritten nicht nur in Russland, Deutschland und der Schweiz, sondern auch in Ungarn, Portugal, Argentinien, Chile und den USA.

Auf Emil Frey stieß Splett übrigens dank ihres ehemaligen Zürcher Klavierprofessors Kolly, der 2007 eine CD mit Solo-Klaviermusik von Frey aufgenommen hat.

Kolly war selbst Schüler des Emil-Frey-Schülers Karl Grenacher, so dass sich Luisa Splett heute gerne als „Urenkel-Schülerin von Emil Frey“ bezeichnet.