Mittwoch, 04.03.2009

Wissenschaftler diskutieren in Moskau über Beutekunst

Auch diese Vase aus Apulien gehört zur Beutekunst. (Foto: Archiv)
Moskau. Unter dem Titel „Trophäen – Verluste – Äquivalente“ haben in Moskau mehr als 120 Wissenschaftler aus Deutschland und Russland über das nach wie vor emotional hoch belastete Thema Beutekunst diskutiert.
Organisiert wurde das Symposium vom Deutschen Historischen Institut (DHI) Moskau und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Bei dem Treffen ging es am letzten Wochenende weniger um die (in eine Sackgasse geratene) politische oder juristische Dimension von Kunstraub und Beutekunst, sondern um die Suche nach neuen Wegen in der wissenschaftlichen Fachdiskussion.

Mit Fokus auf Russland

Im Mittelpunkt dieser ersten gemeinsamen Tagung zum Thema Beutekunst standen die russischen Verluste. Aus westlicher Sicht seien diese „oft wenig bekannt und vernachlässigt worden“, ließen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) verlauten.

Dr. Martin Roth, Generaldirektor der SKD, betonte dann auch auf der abschließenden Pressekonferenz, im Rahmen einer solchen Tagung sei es erstmals darum gegangen, „angemessen auch über russische Verluste an Kulturgütern während des Zweiten Weltkriegs zu sprechen“.

Binationale Projekte anschieben

Fachleute aus russischen und deutschen Museen, Bibliotheken, Archiven, Hochschulen und Kulturverwaltungen hätten zu „einem echten Dialog mit substantiellen Ergebnissen“ gefunden, so Dr. Roth.

In einer Resolution betonen die Teilnehmer der Fachragung, es gäbe eine gute Perspektive für künftige binationale Projekte. Die Gespräche hätten gezeigt, dass es „zahlreiche gemeinsam interessierende Forschungs- und Arbeitsfelder rund um die Thematik der Kriegsverluste und der verlagerten Kulturgüter“ gibt. Um die Koordination solle sich eine bilaterale Arbeitsgruppe kümmern.

Offen, konstruktiv und… hoffnungslos?

Teilnehmer der Tagung betonen, die Gespräche seien „bemerkenswert offen und konstruktiv“ gewesen. Und doch waren auch Meinungen wie: „Der Dialog ist vielleicht hoffnungslos, aber bestimmt nicht sinnlos“ zu hören.

Für viele ist klar: Die Folgen des Zweiten Weltkriegs sind noch lange nicht überwunden und möglicherweise unüberwindbar. Das für beide Länder äußerst heikle und schmerzhafte Thema mündete hier und da – unvermeidlicherweise – auch in gegenseitige Schildzuweisungen.