Mittwoch, 26.09.2012

Wojnowitsch: der Vater des „Soldaten Tschonkin“ ist 80

Der große russische Schriftsteller und Bürgerrechtler Wladimir Woinowitsch ist 80 Jahre alt geworden. (Foto: tvkultura.ru)
Moskau. Der bekannte russische Schriftsteller und ehemalige Sowjet-Dissident Wladimir Wojnowitsch ist heute 80 geworden. Weltweite Bekanntheit erlangte er durch seinen Tauwetter-Satireroman über den „Soldaten Tschonkin“.
Geboren am 26. September 1932 in Stalinabad (so hieß damals die Hauptstadt Tadschikistans Duschanbe), träumte Wojnowitsch zunächst von einer Karriere als Physiker oder Pilot, kam aber schon früh zur Literatur.

Zwei Versuche, am Moskauer Literatur-Institut angenommen zu werden, scheiterten. Dies mag am jüdischen Namen seiner Mutter (Goichmann) gelegen haben; in der Sowjetunion war dies gängige Praxis.

Der russische Schwejk


Erste Bekanntheit erlangte er 1960 mit einem Gedicht über die sowjetischen Kosmonauten. 1963 begann er mit dem Verfassen eines Romans, der ihm weltweiten Ruhm und großen Ärger einbringen sollte: „Die denkwürdigen Abenteuer des Soldaten Iwan Tschonkin“.

In der herrlichen Satire wird das sowjetische System bis aufs Äußerste bloßgelegt und seziert. Held ist der Soldat Tschonkin, der im ersten Kriegsjahr die ganze Absurdität des „realsozialistischen Lebens“ am eigenen Leibe erlebt und mit allerlei Tricks immer wieder seine Haut rettet.

Wojnowitsch hatte damit eine „heilige Kuh“ geschlachtet, nämlich das zur Staatspolitik erhobene, unberührbare Andenken an den Zweiten Weltkrieg. Der erste Teil von „Tschonkin“ erschien 1969 in der Bundesrepublik Deutschland, das ganze Buch 1975 in Frankreich.

"Eine undankbare Sache"


In der Sowjetunion war das Werk verboten und nur in Abschriften und hineingeschmuggelten Exemplaren aus dem Westen im Umlauf. Wojnowitsch, der sich inzwischen auch als Bürgerrechtler hervorgetan und sich u. a. für Solschenizyn und Sacharow eingesetzt hatte, wurde 1974 aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen.

1980 wurde er des Landes verwiesen, 1981 verlor er die sowjetische Staatsbürgerschaft. Er ließ sich zunächst in Deutschland, dann in den USA nieder. 1990 erfolgte die Rehabilitation. Heute lebt Woinowitsch in Moskau.

Wojnowitsch gilt als größter russischer Satiriker; sein „Tschonkin“ trägt schon längst den Beinamen „russischer Schweijk“. Weitere herausragende Werke sind „Moskau 2042“ (1986) und „Monumental-Propaganda (2000).

Wojnowitsch selbst wird mit dem großen französischen Klassiker Rabelais verglichen. Der Jubilar sagt dazu: „Das ist eine sehr undankbare Sache. Das harmloseste Genre ist ein leeres Blatt Papier.“