Freitag, 17.04.2020

Geschichte Russland: Chruschtschow kommt auf die Welt

St. Petersburg. Am 17. April 1877 setzt Lew Tolstoi den Schlusspunkt unter seinen weltbekannten Roman „Anna Karenina“. In Petrograd verliest Wladimir Uljanow (Lenin) 1917 seine berühmten und folgenschweren „Aprilthesen“. Ebenfalls folgenschwer: 1894 erblickt der spätere Generalsekretär der KPdSU Nikita Chruschtschow das Licht der Welt.
Der Vater des „Tauwetters“ und Entlarver des Stalinschen Personenkults stammt aus einem Dorf bei Kursk und musste schon mit 12 Jahren im Bergbau schuften. 1918 trat er in die Partei der Bolschewiki ein und war 1938 Erster Sekretär des Zentralkomitees in der Ukraine, ein Jahr später bereits Mitglied des Politbüros.

Nach Stalins Tod wurde Chruschtschow zum Ersten Sekretär der KPdSU berufen, 1958 wurde er außerdem Vorsitzender des Ministerrates der UdSSR. In die Weltgeschichte ging er durch seine harsche Kritik am Regime Stalins ein, die erstmals auf dem XX. Parteitag 1956 verkündet wurde.

Mit dem so genannten „Tauwetter“ setzte unter Chruschtschow eine umfassende Liberalisierung ein. Die Gefangenenlager öffneten sich, die Kultur konnte sich freier entwickeln, in der Außenpolitik zeigte die UdSSR nie gekannten Kooperationswillen.

1964 wurde Chruschtschow, der sich u. a. durch zweifelhafte wirtschaftliche Entscheidungen diskreditiert hatte, von einem Plenum des Zentralkomitees der Partei abgesetzt; angeblich konnte er seine Ämter „aus gesundheitlichen Gründen“ nicht mehr ausüben.

Dass Chruschtschows Arbeit Früchte getragen hatte, zeigte sich zumindest an der Tatsache, dass er seine Tage friedlich als Rentner beschließen durfte. Alle Sowjetführer vor ihm und nach ihm (außer Gorbatschow) trennten sich erst durch den eigenen Tod von der Macht.

(sb/.rufo)



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