Donnerstag, 09.04.2020

Geschichte Russland: Lew Kopelew hat Geburtstag

St. Petersburg. Am 9. April 1938 wurde Viktor Tschernomyrdin geboren, seines Zeichens Ex-Premier der russischen Regierung und später Botschafter Russlands in der Ukraine. Sein viel zitierter Ausspruch: „Wir wollten das Beste, aber es kam wie immer“, ist längst in den goldenen Schatz der geflügelten Worte eingegangen.
Ein Symbol für die Verständigung zwischen Ost und West im Allgemeinen sowie Russland und Deutschland im Besonderen ist der Schriftsteller und Germanist Lew Kopelew, der am 9. April 1912 geboren wurde. Zunächst ein glühender Kommunist, bekam sein Weltbild gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Ostpreußen, wo er Zeuge des grausamen Vorgehens der Roten Armee gegen Zivilisten wurde, erste ernsthafte Risse.

Nach fast zehn Jahren Arbeitslager kam er 1954 frei und konnte zunächst ungestört arbeiten. Der Einmarsch der sowjetischen Truppen in die Tschechoslowakei setzten Kopelews Illusionen hinsichtlich der Reformierbarkeit des kommunistischen Systems 1968 ein endgültiges Ende.

In den 1970er Jahren war die Wohnung von Lew Kopelew und seiner Frau Raisa Orlowa ein Mittelpunkt des Moskauer Dissidentenlebens. Gern gesehene Gäste waren u. a. Fritz Pleitgen, Klaus Bednarz und Heinrich Böll. Letztgenannter lud ihn schließlich zu einer Studienreise nach Deutschland ein, während der die Sowjetunion dem Ehepaar 1981 die Staatsbürgerschaft entzog.

Die Kopelews ließen sich in Köln nieder. In der BRD machte er sich höchst verdient um die Aussöhnung zwischen Deutschen und Russen und die Überwindung der alten Feindbilder. 1989 durfte er im Zuge der Perestroika erstmals wieder nach Moskau reisen. Nach seinem Tod 1997 in Köln wurde er in Moskau beigesetzt.

(sb/.rufo)



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