Freitag, 26.06.2020

Geschichte Russland: Schrauben werden angezogen

St. Petersburg. Am 26. Juni 1940 wurde in der Sowjetunion der Achtstundentag bei einer Siebentagewoche plus Strafverfolgung bei Verletzung der Arbeitsdisziplin eingeführt. Das Ziel der rigiden Maßnahmen: In 10 bis 15 Jahren sollte der kapitalistische Westen eingeholt und überholt werden.
Der Erlass basierte auf den Schlussfolgerungen des XVIII. Parteitags vom März 1940. Danach war die Sowjetunion in die Phase der Beendigung des sozialistischen Aufbaus und des allmählichen Übergangs zum Kommunismus eingetreten. Um dieses Ziel weiter zu verfolgen, musste das Produktionstempo gesteigert werden.

Die Folgen für die Arbeiterschaft waren vehement: Niemand durfte von nun an ohne Genehmigung seinen Arbeitsplatz verlassen oder wechseln oder auch nur mehr als 20 Minuten zu spät zur Arbeit erscheinen. Bei Zuwiderhandlung drohten mehrmonatige Haftstrafen.

Im Grunde genommen bedeutete diese Anordnung die Bindung der Werktätigen an ihre Arbeitsstätte, also eine Art moderner Leibeigenschaft. Bis Kriegsbeginn wurden etwa drei Millionen Menschen wegen der oben beschriebenen Vergehen verurteilt.

(sb/.rufo)



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