Donnerstag, 27.02.2020

Russland Geschichte: Blutiger Pogrom gegen Armenier

Moskau. Was am 27. Februar 1988 geschah, kam für die meisten Zeitgenossen völlig überraschend, denn es erschütterte die Grundfesten der Sowjetunion: In der aserbeidschanischen Stadt Sumgait am Ufer des Kaspischen Meeres erschlug ein aserbeidschanischer Mob im Laufe eines Pogroms einige Dutzend Armenier in ihren Wohnungen und auf den Straßen.
Der Pogrom vor den Toren der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku wirkte nicht nur wegen seiner damals unerhörten Grausamkeit erschütternd, sondern auch, weil er der Sowjetideologie von der großen sowjetischen Völkerfamilie so krass widersprach.

War Baku auch zur Sowjetzeit eine Vielvölkerstadt mit starken armenischen, russland-deutschen und jüdischen Gemeinden gewesen, so wurde der sowjetische Multikulturalismus mit dem Pogrom abgelöst vom krassen Gegensatz zwischen den türkisch-sprachigen Aserbeidschanern und ihren islamisch geprägten Traditionen und den christlichen Armeniern.

Der Pogrom von Sumgait war das Wetterleuchten des Zusammenbruchs der Sowjetunion – und neuer Kriege im Kaukasus


Der Pogrom war eine Folge des aserbeidschanischen Nationalismus, die Geburtsstunde der Republik Aserbeidschan und der Beginn endloser ethnischer Konflikte im Kaukasus-Gebiet.

Infolge des Blutbades in Sumgait eskalierte 1988 und 1989 der ethnische Gegensatz zwischen Aserbeidschanern und Armeniern in der Sowjetrepublik Aserbeidschan (Aserbaidschan).

Eine Massenflucht von Armeniern setzte ein. Das armenisch besiedelte Gebiet von Nagorny-Karabach (Berg-Karabach) forderte seine Unabhängigkeit und am 15. Januar 1990 verhängte der Oberste Sowjet der UdSSR in Berg-Karabach den Ausnahmezustand.

Der Pogrom 1988 in Sumgait signalisierte das Scheitern der sowjetischen Nationalitätenpolitik und machte für alle Welt sichtbar, dass der „Kampf der Zivilisationen“ ein wirksamer Sprengstoff an den Grundmauern politischer Großsysteme sein kann.

Konflikt um Berg-Karabach immer noch heiß


Aserbeidschan und Armenien streiten sich bis heute um das Gebiet Nagorny Karabach . Aserbeidschan rasselt immer mal wieder mit den Säbeln und bekundet seinen Willen zur Rückeroberung.

Russische Eisenbahn zwischen Nikolai I. und Felix Dserschinski


Völlig unpolitische Eisenbahnfreunde sollten sich den 27. Februar notieren, weil im Jahre 1851 Zar Nikolai I.. die Anweisung erteilte, eine Eisenbahnlinie zwischen der Reichshauptstadt St. Petersburg und Warschau, der Hauptstadt des russischen Gouvernements Polen, zu bauen.

Gut zehn Jahre später (1863) konnten Truppen des Zaren nur mit Mühe und rücksichtslosem Terror einen Aufstand in Polen niederschlagen. Und am 27. Februar 1923 wurde die Eisenbahnlinie Moskau-St.Petersburg, die die „Nikolai-Eisenbahnlinie“ hieß, in „Oktober-Eisenbahnlinie“ umbenannt.
Die Anweisung erteilte der sowjetische Eisenbahn- kommissar Felix Edmundowitsch Dserschinski, der allerdings seine Bekanntheit eher dem Roten Terror und der Gründung der Tscheka (später KGB) verdankt.

(him/.rufo)



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