Montag, 06.03.2017

Russland Geschichte: Vater der russischen Idee geboren

Moskau. Am 6. März 1874 (alten Stils) wurde in Kiew Nikolai Berdjajew geboren, der später in der Verbannung vom Marxisten zum religiösen Existentialisten wurde und „Die russische Idee“ formulierte. Am 6. März 1900 verstarb Gottlieb Daimler, der das Auto während einer Zugfahrt durch Russland erdacht haben soll. Aus Langeweile.
Der Philosoph und Schriftsteller Nikolai Berdjajew war längst nicht der erste, der an der Formulierung der „Russischen Idee“ arbeitete, hat aber bis heute nachhaltigen Einfluss.

Berdjajew entstammte einer russischen Adelsfamilie. Im Alter von 20 Jahren begann er als Student der Philosophie, in Kiewer Diskussionszirkeln über die Ideen des wissenschaftlichen Sozialismus zu debattieren. 1898 wird er verhaftet und für zwei Jahre in die Verbannung ins nordrussische Wologda geschickt. Einer seiner Artikel wurde von Karl Kautsky in der sozialdemokratischen „Neuen Zeit“ veröffentlicht.

In der Verbannung nimmt Berdjajew vom Marxismus Abschied und wendet sich religiösem Idealismus zu. Er orientiert sich stark an den Werken des Mystikers Wladimir Solowjow. Auf Auslandsreisen nach Frankreich und Italien formuliert er seine „religiöse Philosophie“. Er unterstützt die Februarrevolution von 1917 als Sturz einer „Lügen-Theokratie“, gerät aber in Widerspruch zur Sowjetmacht.
Nach einigen Verhaftungen lebt Berdjajew von 1922 bis 1924 schließlich in Berlin, macht Bekanntschaft mit Spengler. Seine „Russische Idee“ erschien 1946 in Paris. Berdjajew starb am 23.3.1948 in Paris. Seine Werke waren in der Sowjetunion verboten, haben in letzter Zeit aber erheblich an Einfluss gewonnen, besonders in der Diskussion über kulturelle Identität.

(him/.rufo)





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