Freitag, 14.12.2012

Elf Jahre Haft für Mörder von Anna Politkowskaja

Das erste Urteil im Politkowskaja-Prozess ist gefallen (Foto: Archiv/.rufo)
Moskau. Ein Moskauer Gericht hat einen Ex-Milizionär wegen des Mords an der Journalistin Anna Politkowskaja zu elf Jahren Haft verurteilt. Der Mann hatte zuvor ein Abkommen mit den Ermittlungsbehörden geschlossen.
Das erste Urteil im Politkowskaja-Fall ist gefallen, gut sechs Jahre nach dem Mord: Dmitri Pawljutschkow, ein ehemaliger Milizionär, der die Bluttat mitorganisiert haben soll, muss für elf Jahre hinter Gitter. Zudem verpflichtete ihn das Gericht, den Angehörigen Kompensation über drei Millionen Rubel (75.000 Euro) zu zahlen.

Verteidiger wollten Bewährung


Während die Staatsanwaltschaft mit dem Urteil zufrieden ist, wollen sowohl die Verteidigung, als auch die Anwälte der Politkowskaja-Familie in Berufung gehen – wenn auch aus verschiedenen Gründen.

Pawljutschenkows Anwalt Karen Neresjan bezeichnete das Urteil als zu hart und ungerecht. Immerhin habe sein Mandant mit den Behörden kooperiert. Sollte es ihm nicht gelingen, das Urteil anzufechten, werde er auf die Freilassung Pawljutschenkows aus gesundheitlichen Gründen pochen, kündigte er an. Wenn er im Gefängnis bleibe, „dann wird er langsam sterben“, sagte Neresjan.

Nebenkläger glauben nicht an Kooperation


Bei der Verhandlung war wenig davon zu sehen. Pawljutschenkow, der bisher nur unter Hausarrest stand, spazierte locker in den Fluren umher, rauchte und unterhielt sich per Telefon - auch wenn dies eigentlich streng verboten ist. Sein Hausarrest wird zudem auf die Haftstrafe angerechnet.
Die Nebenklage besteht daher auf der Höchststrafe. Pawljutschenkow habe seine Verpflichtungen, mit den Ermittlern zusammen zu arbeiten, nicht eingehalten, sagte die Vertreterin der Politkowskaja-Familie, Anna Stawizkaja. „Er hat weder die Hintermänner der Tat genannt, noch seine Rolle bei dem Verbrechen genau beschrieben“, sagte Stawizkaja.

Hintermänner bleiben unbekannt


Auch bei der Nowaja Gaseta, der Zeitung, bei der Politkowskaja bis zu ihrem Tod arbeitete, ist man unzufrieden: „Es ist nicht wichtig, ob Pawljutschenkow nun zu elf oder zwölf Jahren verurteilt wurde. Aber das Urteil hat den Deal mit den Ermittlern quasi legitimiert und sie der Möglichkeit beraubt, den Namen des Auftraggebers zu erfahren“, sagte der Chefredakteur Sergej Sokolow.

Beim Ermittlungskomitee sieht man das anders: Pawljutschenkow habe alle Bedingungen für den Deal erfüllt. „Er hat ausgesagt, dass laut den Worten Gaitukajews (der mutmaßliche Organisator der Tat) die Auftraggeber Sakajew und Beresowski sind“, sagte der Sprecher des Ermittlungskomitees Wladimir Markin.

Politisch motivierte Vorwürfe


Die Vorwürfe gegen den beim Kreml in Ungnade gefallenen Beresowski haben die russischen Behörden schon kurz nach der Tat erhoben. Die Nowaja Gaseta, die parallel in dem Fall ermittelt, schätzt die Angaben dazu allerdings als wenig glaubwürdig ein.

Anna Politkowskaja wurde am 7. Oktober 2006 im Hauseingang vor ihrer Wohnung erschossen. Als unmittelbare Täter gelten drei Tschetschenen, auch der Organisator Lom-Ali Gaitukajew soll aus Tschetschenien stammen. Neben Pawljutschenkow steht aber auch der Polizeibeamte Sergej Chaschikurbanow unter Anklage. Das Verfahren gegen einen Geheimdienstler wurde eingestellt.