Montag, 13.02.2006

Großbrand vernichtet einstiges Prawda-Gebäude

Dichte Qualmwolken quollen aus dem Zeitungsgebäude an der uliza Prawdy (foto: kp/rufo)
Moskau. Die riesige Rauchwolke war Kilometer weit zu sehen: Bei einem Großfeuer brannte am Montag das staatseigene Gebäude des Moskauer Verlags „Pressa“ aus, in dem sich etliche Zeitungsredaktionen befinden.

Der Brand war am Morgen in den Redaktionsräumen der Boulevard-Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ im 6. Stock des 1932 erbauten Bürohauses ausgebrochen. Dutzende von Lösch- und Rettungsfahrzeugen wurden vor dem Bau zusammengezogen. Den ganzen Tag über kämpfte die Feuerwehr gegen den Brand, der sich schließlich auf eine Fläche von 2.000 Quadratmetern ausbreitete. Am Nachmittag stürzte schließlich ein Teil des Dachs ein.

Kantinen-Mitarbeiter im Obergeschoss gefangen


Mehrere Dutzend Menschen waren für mehrere Stunden in den Obergeschossen des brennenden Hauses eingeschlossen. Erst gegen Mittag konnten sie über Feuerwehrleitern befreit werden. Die Direktorin der Verlagskantine erlitt eine schwere Rauchvergiftung, eine zweite Frau musste mit einem Herzanfall in ein Krankenhaus gebracht werden.

Ersten Ermittlungen zufolge könnte ein Kurzschluss das Feuer ausgelöst haben. Der „Komsomolskaja Prawda“ sei ein „kolossaler Schaden“ entstanden, erklärte Chefredakteur Wladimir Sungorkin: „Unsere Bibliothek, die wir seit den 1930-er Jahren zusammengetragen haben, ist abgebrannt, alle unsere Server auch.“ Wahrscheinlich sei auch das Fotoarchiv der Zeitung vernichtet. Er glaube nicht daran, dass das Gebäude wieder hergerichtet werden könne, so Sungorkin.

Zeitungen können teilweise nicht mehr erscheinen


In dem konstruktivistischen Bau an der Uliza Prawdy wurde zu Sowjetzeiten die Parteizeitung „Prawda“ gemacht. Heute befinden sich in dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude auch die Redaktionen der Regierungszeitung „Rossiskaja Gaseta“, der Parlamentspostille „Parlamentskaja Gaseta“ und der Wochenzeitung „Tribuna“.

Während die „Komsomolskaja Prawda“ bereits für Dienstag eine Notausgabe plant, werden „Tribuna“ und „Parlamentskaja Gaseta“ vorerst in den kommenden Tagen nicht erscheinen. Die Redaktionsräume brannten zwar nicht aus, wurden jedoch durch Löschwasser stark in Mitleidenschaft gezogen.

(kp/.rufo)