Donnerstag, 14.11.2013

Neue Pause im Politkowskaja-Prozess

Tausende waren bei der Trauerfeier für die ermordete Anna Politkowskaja. Doch ihr Tod ist immer noch nicht aufgeklärt (Foto: Warschawtschik/.rufo)
Moskau. Prozessabbruch im Fall gegen die mutmaßlichen Mörder der Journalistin Anna Politkowskaja. Drei Geschworene erklären ihren Rückzug aus der Jury, die damit nicht mehr entscheidungsfähig ist.
Der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder der Journalistin Anna Politkowskaja zieht sich weiter in die Länge: Am Donnerstag hat das Moskauer Stadtgericht die Jury aufgelöst, weil drei Geschworene der Verhandlung fernblieben und um ihren Ausschluss vom Prozess baten. Die Geschworenen gaben gesundheitliche Probleme und dienstliche Notwendigkeit an.

Geschworene zeigen Ermüdungserscheinungen


Bereits zuvor hatten sich mehrere Geschworene vom bereits seit Juli laufenden Prozess zurückgezogen. Damit waren am Donnerstag nur noch elf Jury-Mitglieder vor Gericht. „Es ist unmöglich, den Strafprozess so weiter fortzusetzen“, erklärte Staatsanwalt Boris Loktionow. Der Richter stimmte der Auffassung und ordnete an, die neue Jury am 14. Januar zusammen zu stellen.

Fünf Angeklagte stehen seit Sommer vor Gericht. Sie werden beschuldigt, die Tat organisiert und ausgeführt zu haben. Mehrfach musste der Prozess in der Zwischenzeit unterbrochen werden. Unter anderem wurde einer der Angeklagten angeschossen und erlitt eine Beinverletzung.

Freispruch in einem ersten Prozess


In einem ersten Prozess 2009 waren die fünf Angeklagten aus Mangel an Beweisen vor einem Geschworenengericht freigesprochen worden, das Urteil wurde aber später vom Obersten Gericht Russlands aufgehoben.

Die kremlkritische Journalistin Anna Politkowskaja wurde am 7. Oktober 2006 vor ihrer Wohnung erschossen. Bisher ist wegen der Bluttat nur ein Mittelsmann, ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter, verurteilt worden. Dieser hat einen Deal mit dem Staatsanwalt ausgehandelt und ein Geständnis abgelegt. Als Hintermann gab er den inzwischen toten Exil-Oligarchen Boris Beresowski an. Verwandte und Kollegen der ermordeten Journalistin bezweifeln diese Version.

(ab/epd/.rufo)