Zumindest im Internet gibt es eine antisemitische Seite weniger (Foto: Djatschkow/.rufo)
Mittwoch, 19.10.2005
Orthodoxe Fundamentalisten-Webseite abgeschaltet
Moskau. Ein Petersburger Internet-Provider hat die Webseite der orthodox-fundamentalistischen Zeitung „Rus Prawoslawnaja“ abgeschaltet. Dies hatten Bürgerrechtler und Behörden gefordert.
Der Chefredakteur Konstantin Duschenow kündigte an, gerichtlich gegen die Entscheidung vorzugehen.
Die Zeitung „Rus Prawoslawnaja (Rechtgläubiges Altes Russland)“ erscheint in einer kleinen Auflage etwa einmal pro Monat und hatte zuletzt Anfang des Jahres für Schlagzeilen gesorgt. Das Blatt veröffentlichte damals einen von zwanzig Duma-Abgeordneten unterzeichneten offenen Brief, in dem das Verbot aller jüdischen Organisationen in Russland gefordert wurde. Ein nicht unerheblicher Teil jeder Ausgabe ist für antijüdische Hetzartikel reserviert.
Nach Ansicht des Extremismus-Experten Alexander Werchowski hat „Rus Prawoslawnaja“ einen nicht zu unterschätzenden Einfluss innerhalb der orthodoxen Kirche, obwohl die Zeitung fast nirgendwo zu kaufen war. Fast die gesamte Auflage sei an Gleichgesinnte in den russischen Bistümern versandt worden, sagte Werchowski dem epd. Teilweise sei sie dort sogar von Kirchen-Mitarbeitern weiterverteilt worden.
Offiziell distanziert sich die Orthodoxe Kirche wegen der extremistischen Artikel und der scharfen Kritik an der bestehenden Kirchenhierarchie und an Patriarch Alexi II. von dem Blatt. In einigen Bistümern ist die Verbreitung innerhalb der Gemeinden ausdrücklich verboten.