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Der britische Journalist Luke Harding wurde ausgewiesen (Foto: Guardian)
Der britische Journalist Luke Harding wurde ausgewiesen (Foto: Guardian)
Dienstag, 08.02.2011
Aktualisiert 09.02.2011 19:32

Russland weist britischen Journalisten aus

Moskau. Russland hat das Visum des britischen Journalisten Luke Harding annulliert. Der Guardian-Korrespondent wurde am Flughafen abgewiesen und ausgeflogen. Harding hatte u.a. über Mafia-Vorwürfe gegen Putin berichtet.

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• Britischer Journalist darf wieder nach Russland (09.02.2011)
Harding war nach einem zweimonatigen Aufenthalt in Großbritannien nach Russland zurückgekehrt. Bei der Passkontrolle wurde er von der Grenzpolizei festgenommen und 45 Minuten unter Arrest gestellt. Anschließend setzten ihn die Behörden mit einem ungültig gestempelten Visum wieder zurück in das Flugzeug nach London.

Ohne Begründung abgeschoben


„Es wurden keine Gründe angeführt. Es ist sehr schade, dass ich Russland auf diese Weise verlassen muss. Mein Visum ist noch bis Ende Mai gültig“, kommentierte Harding den Vorfall. Alan Rusbridger, Chefredakteur des „Guardian“, kritisierte: „Es ist eine sehr alarmierende Entwicklung in Russland ersichtlich mit ernsten Folgen für die Pressefreiheit. Es ist beunruhigend, dass die russische Regierung jetzt damit beginnt Journalisten zu vertreiben, deren Position ihr nicht gefällt.“

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Harding hatte in der Vergangenheit u.a. über die Wikileaks-Vorwürfe gegen Premier Wladimir Putin berichtet. Dort hatte es – unter Berufung auf amerikanische diplomatische Depeschen – geheißen, der russische Staat habe sich unter der Führung Putins in einen Mafia-Staat verwandelt. Harding war zudem im Sommer kurzzeitig festgenommen worden, nachdem er in Inguschetien den Vater der Metro-Attentäterin Mariam Scharipowa interviewt hatte.

Harding beschuldigt Putin der Verwicklung in den Litwinenko-Mord


Im Dezember hatte Harding zuletzt einen Artikel veröffentlicht, in dem er schrieb, dass Putin mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem bevorstehenden Mord an Alexander Litwinenko (Ex-FSB-Agent, 2006 in London mit radioaktivem Polonium vergiftet) wusste.

Fall Morar als Vorläufer


Harding ist nicht der erste Journalist, den die russischen Behörden nicht ins Land lassen. Im Dezember 2007 wurde die moldawischstämmige Journalistin Natalja Morar am Flughafen Domodedowo abgeschoben.

Morar hatte für die russische kremlkritische Zeitung „The New Times“ über Korruption in den Reihen des Geheimdienstes FSB geschrieben. Als Begründung für die Ausweisung wurde später erklärt, sie sei ein Sicherheitsrisiko für den Bestand der Russischen Föderation.



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Paulsen-Consult 08.02.2011 - 21:38

Sehr bitter für Harding,

allerdings nicht ungewöhnlich und nicht allein typisch für Russland. Auch in der Ukraine passieren solche Sachen, dass kritische Ausländer am Flughafen interniert werden.
Der freundliche Umgang mit Diktaturen hat leider dazu geführt, dass die entsprechenden Regierungen, natürlich auch in Russland, recht ungeniert gegen die Meinungsfreiheit agieren. Das Beispiel Ägyptens zeigt, wie innig Diktatoren von westlichen Regierungen ans Herz gedrückt werden können, auch wenn sie gerade dabei sind nach herzenslust Regimekritiker zu foltern, wie es für Mubarak selbstverständlich war.
Ein offizieller Protest aus London ist nicht zu erwarten. Zu unwichtig der Fall. Der zunehmende moralische Verfall und die Demokratiemüdigkeit der offiziellen Politik ist dabei vor allem auch ein Symptom westlicher Regierungen. Sei es bei der Diffamierung von Protestbewegungen, bei gleichzeitig alternativlosem Politik-Stil bei Angela Merkel oder der äußerst merkwürdigen Auffassung von Demokratie bei Nikolas Sarkozy, von Berlusconi ganz zu schweigen. In einer solchen antidemokratischen Krise Westeuropas haben die umgebenden Diktaturen ein leichtes Spiel. Es geht nur noch im wirtschaftliche und strategische Fragen. Die Menschen und ihre Grundrechte interessieren kaum noch.
Schön, dass Sie auf Ihrer Website tapfer dagegen anschreiben. Nur eine Belohnung sollten Sie nicht dafür erwarten. Ich fürchte sogar, dass ein beträchtlicher Teil Ihrer Leser der Meinung ist, dass man es mit der Demokratie und der Meinungsfreiheit nicht übertreiben sollte.


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