Dienstag, 27.10.2009

Russland will Amtstuben ins Internet verlegen

Um in Russland etwas amtlich zu bekommen, soll man alsbald nicht mehr unbedingt aufs Amt müssen (Foto: ld/.rufo)
Moskau. Russische Bürger sollen bis 2015 einen Teil ihrer Verwaltungskontakte über das Internet abwickeln können. Die Regierung benannte 74 staatliche Dienstleistungen, die dann auch digital erledigt werden sollen.


Ist der russische Staat auch denkbar ohne das Schlange stehen und den Bücklingen vor winzigen und zu niedrig angebrachten Schalter-Fensterchen in Amtsstuben, hinter denen sich brummelige Bürokraten gerade dann zu "technologischen Pausen" zurückziehen, wenn der Publikumsansturm am größten ist? Offenbar schon, denn die Regierung unternimmt jetzt ernsthafte Schritte zur "elektronischen Verwaltung".

Steuer, Zoll, Passangelegenheiten ...


Die am 17. Oktober von Premier Wladimir Putin abgezeichnete Liste beinhaltet Vorgänge wie das Einreichen von Steuererklärungen, die Registrierung von Privatunternehmern, Zolldeklarationen, Anzeigen von Rechtsverstößen, Pass-Beantragungen, Grundbucheinträge, Führerscheinprüfungen oder Auto-Anmeldungen. Für Ausländer wird explizit die Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen genannt.

Unklar ist allerdings, wie die in den entsprechenden Meldungen auch genannte „Passausgabe“ übers Internet erfolgen soll. Denn auch im fernen Jahre 2015 werden die bei den russischen Internet-Nutzern stehenden Drucker wohl kaum in der Lage sein, Pässe auszudrucken - genau so wenig wie Auto-Nummernschilder.

Eine Webseite mit allen Antragsformularen


Als erster Schritt zur digitalen Verwaltung wird zum Jahreswechsel die Seite www.gosuslugi.ru gestartet, erklärte Kommunikations-Minister Igor Schtschegoljow. Die Behörden übermitteln gegenwärtig Listen der von ihnen erbrachten Verwaltungsakte an ein Register, das mit dieser Seite verknüpft ist, erklärte er.

Momentan befindet sich auf dieser Seite noch eine Animation, die zu diesem Stichdatum „1000 Dokumente auf einer Webseite“ verspricht.

Im nächsten Frühjahr sollen dann über diese Seite im Rahmen eines Pilotprojekts erste staatliche Dienstleistungen online abrufbar sein, so der Minister.