Dienstag, 05.02.2013

Baturina: In Russland hat jeder mal Schmiergeld gezahlt

Moskau. Jelena Baturina, die früher reichste Frau Russlands, plaudert aus dem Nähkästchen. Sie sei absolut ehrlich, aber Schmiergeld habe in Russland jeder schon mal gegeben, sagte sie in einem Interview.
Jelena Baturina wurde mit ihrem Baukonzern Inteko zur einzigen Dollarmilliardärin Russlands. Die meisten Aufträge bekam der Konzern in Moskau, wo ihr Ehemann Juri Luschkow knapp 20 Jahre Bürgermeister war.

Trotzdem sei stets alles mit rechten Dingen zugegangen, versichert sie in einem Interview mit dem Fernsehsender "Doschd". "Ich konnte mir keine gesetzwidrigen Handlungen leisten, das hätte das Image meines Mannes zerstört" Damit dessen Anständigkeit nicht angezweifelt werde, habe Inteko sogar auf die Teilnahme an Auktionen zur Bebauung Moskaus verzichtet, sagte Baturina.

Im Kontrast zu den Aussagen über die eigene Rechtschaffenheit steht allerdings ihre Erkenntnis: "Kein Mensch kann in Russland sagen, dass er nie Schmiergeld gegeben hat. Wo ist der Unterschied, ob es sich um Schmiergeld im Alltag handelt oder nicht. Bestechung ist ein Gesetzesverstoß", sagte sie im gleichen Interview.

Wen sie selbst in Russland bestochen hat, verriet sie dabei nicht. Die Staatsanwaltschaft hatte nach der Entlassung Luschkows Ermittlungen wegen Betrugsverdachts u.a. um einen milliardenschweren Grundstückshandel eingeleitet.

Im vergangenen Sommer wurde sie als Zeugin in einem Verfahren gegen ehemalige Top-Manager der Bank of Moscow befragt. Seither hätten sich die Ermittler nicht mehr bei ihr gemeldet, sagte Baturina, die inzwischen in London lebt.