Donnerstag, 05.06.2008

Fahrlässigkeit: „Stimme Beslans“ klagt Putin an

Wladikawkas/Moskau. Die nordossetische Nichtregierungsorganisation „Stimme Beslans“ hat gestern Klage bei der Staatsanwaltschaft gegen Wladimir Putin eingereicht. Die Aktivisten der Organisation werfen dem ehemaligen russischen Präsidenten und amtierenden Regierungschef Mitverantwortung an dem blutigen Ausgang des Geiseldramas in Beslan im Jahr 2004 vor.
Putin sei verantwortlich, weil er als damaliger Präsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte zweieinhalb Tage lang jede Verhandlung mit den Geiselnehmern verweigert habe. Außerdem sei Putin für die Anwendung von Waffen verantwortlich, die ein selektives Töten der Terroristen nicht möglich gemacht hätten.

Staatsorgane als verbrecherische Organisation


„Der Tod von 333 Menschen durch den Terroranschlag von Beslan ist ein Zeugnis für das fahrlässige Verhältnis Putins zu seinen Amtspflichten“, heißt es in einer Mitteilung der Kläger.

„Weil die dem Präsidenten unterstellten Staatsstrukturen in der Zeit vom 01. bis 03. September 2004 ein Verbrechen begangen haben, indem sie jede Verhandlung verweigert und die Armee eingesetzt haben, haben sie eine verbrecherische Organisation gebildet", so die Kläger weiter. Deshalb trage Putin genauso wie die Terroristen Verantwortung für den Tod der Kinder und Erwachsenen in Beslan.

Russische Medien weisen darauf hin, dass derzeit auch eine Klage gegen die Organisation „Stimme Beslans“ bei einem nordossetischen Gericht zur Revision vorliegt. Darin wirft die Staatsanwaltschaft der Kaukasus-Republik Inguschetien der Organisation die Verbreitung von extremistischem Gedankengut vor. „Stimme Beslans“ hatte sich in der Vergangenheit mit einer Botschaft an den Präsidenten der USA, den US-Kongress, an EU-Staaten und das Europaparlament gewandt. In dem Text wird Putin in die Nähe der Terroristen von Beslan gestellt.

333 tote Kinder


Am 01. September 2004 hatten tschetschenische Terroristen eine Schule in dem nordossetischen Ort Beslan in ihre Gewalt gebracht. In der Schule befanden sich bei dem Überfall am ersten Schultag 1.200 Menschen. Die Terroristen erklärten, die Freilassung von Gesinnungsgenossen aus dem Gefängnis erwirken zu wollen.

Beim Sturm der Schule durch russisches Militär kamen 333 Menschen zu Tode – der Großteil von ihnen waren Schulkinder.