Freitag, 03.06.2011

Finanzministerium: Büro-Trinkwasser ist steuerpflichtig

Moskau. Ein schönes Beispiel für bürokratische Realitätsferne liefert das russische Finanzministerium: In einem Rundschreiben weist es darauf hin, dass für das im Büro kostenlos getrunkene Wasser von den Angestellten Einkommenssteuer einzubehalten ist.

“Wenn eine Organisation für ihre Mitarbeiter Trinkwasser erwirbt, dann erhalten diese eine Einkunft in natürlicher Form“, schreiben die Finanzbeamten. Entsprechend müsste der Arbeitgeber als Steueragent für diese zusätzlich zum Lohn erzielten Einkünfte gleich die Einkommenssteuer in Höhe von 13 Prozent einbehalten und abführen.

Wie dies allerdings gemacht werden soll, darüber schweigt sich das Amt aus. Das Problem dabei ist vor allem, dass exakt festgestellt werden müsste, wie viel Wasser jeder Mitarbeiter sich im Laufe eines Monats aus dem Trinkwasserspender zapft.

Wie die Zeitung RBK-Daily berichtet, sehen Steuerexperten als einzige Möglichkeit, dass neben der in Russland "Cooler" genannten Zapfstelle ein Wächter stehen müsste, der protokolliert, wer wie viel Wasser trinkt. Alternativ käme auch eine Videoüberwachung des Wasserspenders in Frage.

Nicht ohne Ironie meinen die Gesprächspartner der Zeitung, dass man bei einem solchen pingeligen Ansatz auch noch erfassen sollte, wie viel Kälte aus Klimaanlagen jeder Mitarbeiter „verbraucht“ – und wie viel Linoleum er bei seiner Arbeit abgelaufen und wie viele Stühle durchsessen hat.