Montag, 08.09.2008

Kommunalwahlen: Jeder dritte Kandidat ist Geschäftsmann

Kaliningrad. Die Kommunalwahlen im Gebiet Kaliningrad werfen erste Schatten voraus. Nach Ablauf der Meldefrist hat der Chef des regionalen Wahlausschusses, Sergej Lunjow, eine Vor-Bilanz gezogen: Demnach bewerben sich in den elf Rayons und kreisfreien Städten, in denen am 12. Oktober Kommunalwahlen stattfinden, 1293 Kandidaten um insgesamt 527 Mandate.
Jeder dritte Bewerber um einen kommunalpolitischen Posten ist Lunjows zufolge von Beruf Unternehmer. Immerhin: Etwas mehr als die Hälfte (687) hat einen Hochschulabschluss.

Auch Provinzpolitik ist in Russland nach wie vor ein Männergeschäft. Nur 489 der Kandidaten sind Frauen. Lediglich in Gusew (Gumbinnen) und Krasnosnamensk (Lasdehnen) stellen sie die Merhheit der Kandidaten.

Das Interesse nach einem kommunalpolitischen Amt, hierzulande traditionell gleichbedeutend mit Macht und Einfluss auch in eigener Sache, ist regional in der Exklave ziemlich ungleich verteilt. Am begehrtesten scheinen die Abgeordnetenmandate in Gurjewsk (Neuhausen) zu sein: In der wirtschaftlich ehrgeizigen Kaliningrader Satellitenstadt haben sich 111 Personen auf 85 Mandate beworben.

Auch Tschernjachowsk (Insterburg) steht hoch im Kurs – besonders bei Industrie- und Logistikunternehmern. Die Kleinstadt Osjorsk (Drakehmen) indes scheint selbst für die lokalen Geschäftsleute wenig attraktiv zu sein. Dort haben sich nur 22 Personen registrieren lassen – das ist theoretisch weniger, als es derzeit Plätze im Stadtrat gibt.

158 künftige Abgeordnete haben im übrigen gar keine Konkurrenz in ihren Wahlbezirken. Eine Mindest-Wahlbeteiligung gibt es nicht, in Ein-Kandidat-Wahlbezirken müssen mehr als die Hälfte der Wahlbeteiligten den Kandidaten unterstützen.