Dienstag, 21.08.2007

Orthodoxe Kirche entwickelt „Russische Doktrin“

Moskau. Die russisch-orthodoxe Kirche hat ihr eigenes Modell für die künftige wirtschaftliche und politische Entwicklung Russlands vorgestellt. Die so genannte „Russische Doktrin“ sieht eine starke Rolle des Staates vor.
Metropolit Kyrill, Leiter des kirchlichen Außenamtes, forderte zudem die politischen Parteien dazu auf, nationale geistige Werte zu entwickeln. Bislang hat sich allerdings nur die offiziell nicht zugelassene Partei „Großrussland“ zum Programm der russisch-orthodoxen Kirche bekannt.

Die Kirche fordert, dass der Staat die vollständige Kontrolle über die Rohstoffe des Landes, die Finanzen, den Außenhandel und die Rüstungsindustrie zurückerhält. „Die Rückgabe der gesetzmäßigen Einnahmequellen an den Staat und der sozialen Gerechtigkeit an das Volk müssen zur Hauptaufgabe einer wirklich nationalen russischen Elite werden“, erklärte Kyrill dazu.

Die „Russische Doktrin“ sei ein überparteiliches Projekt, betonte der Kirchensprecher. Die Autoren präsentierten das 800 Seiten starke Programm als „Projekt zur Modernisierung Russlands auf der Basis geistig-moralischer Werte und einer konservativen Ideologie“.

Mit diesem Programm versucht die russisch-orthodoxe Kirche erneut das politische Tagesgeschehen zu beeinflussen. Erst vor wenigen Wochen war es deswegen zu einem offenen Konflikt zwischen der Russischen Akademie der Wissenschaften und der Kirche gekommen. Führende Wissenschaftler hatten vor einer „Klerikalisierung“ des Staates gewarnt und die orthodoxe Kirche dazu aufgefordert, sich aus Politik und Wissenschaft herauszuhalten.

(ab/epd/.rufo/Moskau)