Mittwoch, 26.05.2010

Petersburg: Anatoli Sobtschak wird postum Ehrenbürger

St. Petersburg. Das Petersburger Stadtparlament hat am Mittwoch zwei neue Ehrenbürger gewählt – den 2000 gestorbenen ersten Bürgermeister der Stadt Anatoli Sobtschak und den Mathematiker Ludwig Fadejew.
Es ist Tradition – am Vortag des Gründungstages von St. Petersburg kommt die Gesetzgebende Versammlung zusammen, um zwei neue Ehrenbürger zu bestimmen. In diesem Jahr hatte es im Vorfeld wegen der Nominierung des inzwischen verstorbenen ersten demokratisch gewählten Stadtoberhaupts viele Diskussionen gegeben.

Eigentlich können nur lebende Personen die Ehrenbürgerwürde bekommen, besagt das entsprechende Gesetz. Um Sobtschak zu nominieren, musste das Parlament im März eine Sonderregelung genehmigen.

Zu der (hinter verschlossenen Türen stattfindenden) Abstimmung am Donnerstag erschienen 48 der 50 Abgeordneten der gesetzgebenden Versammlung, meldet RIA Novosti. Das sind ungewöhnlich viele, an normalen Sitzungstagen finden weitaus weniger Deputierte den Weg ins Marien-Palais am Isaak-Platz.

Anwesend war sogar der weltbekannte Eiskunstläufer Jewgeni Pljuschtschenko, dem wegen seiner notorischen Abwesenheit bereits nahe gelegt worden war, sein Mandat niederzulegen. Er war allerdings auch der erste, der nach Ende der Prozedur den Sitzungssaal verließ.

An Anatoli Sobtschak scheiden sich in Petersburg immer noch die Geister – für die einen ist er Wegbereiter der Demokratie und Held des Widerstands während des Augustputsches von 1991; andere werfen ihm den Ausverkauf der Stadt zu Beginn der schwierigen 1990er Jahre vor.

Für seine postume Ernennung zum Ehrenbürger stimmten im Endeffekt 34 Abgeordnete, für den Mathematiker und Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften Ludwig Fadejew wurden 39 Stimmen abgegeben.

Die Verleihung erfolgt am Donnerstag im Rahmen einer Feierstunde anlässlich des 307. Gründungstages von St. Petersburg. Für Anatoli Sobtschak wird seine Witwe Ludmila Narussowa die Ernennungsurkunde entgegennehmen.