Freitag, 16.09.2011

Politkowskaja-Mord: Verdächtiger verweist auf Beresowski

Moskau. Boris Beresowski, Exil-Oligarch und einstige graue Eminenz unter Jelzin im Kreml, ist erneut als potentieller Auftraggeber des Politkowskaja-Mordes genannt worden. Diesmal tat dies allerdings der Hauptverdächtige Dmitri Pawljutschenkow.
Wie die Zeitung „Kommersant“ heute berichtet, hat Pawljutschenkow inzwischen ein umfangreiches Geständnis abgelegt, wie er 2006 den Mordauftrag organisierte und wer daran beteiligt war.

Als Tatgehilfen und zur Ausführung des Mordes engagierte der Ex-Polizist den ehemaligen Kollegen Sergej Chadschikurbanow sowie die drei Machmudow-Brüder aus Tschetschenien. Sie waren in einem ersten Prozess letztlich aus Mangel an Beweisen frei gesprochen worden.

Den Auftrag zu dem weltweit für Aufsehen sorgenden Mord an der kritischen Journalistin der „Nowaja Gaseta“ will Pawljutschenkow von Lom-Ali Gajtukajew erhalten haben, einer tschetschenischen „Autorität“, die inzwischen wegen anderer Straftaten im Gefängnis sitzt.

Gajtukajew habe seinerseits die Gespräche über den Mordauftrag in der Ukraine geführt, da gegen den Auftraggeber in Russland ein Einreiseverbot bestehe. Dabei soll Pawljutschenkow „nicht ausgeschlossen haben“, dass es sich bei dem Auftraggeber um den im Londoner Exil lebenden Boris Beresowski handelt.

Dem Bericht zufolge weigerten sich die Anwälte Pawljutschenkows, diese Version zu bestätigen. Auch die Ermittlungsbehörde wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Bereseowski erklärte gegenüber der Zeitung, für ihn sei diese Behauptung nichts Neues, da schon Wladimir Putin einmal angedeutet habe, dass die Spuren des Verbrechens nach London führen könnten.

Er selbst könne sich an keinen Tschetschenen namens Lom-Ali Gajtukajew erinnern, doch habe er sich in seiner früheren Tätigkeit mit hunderten Tschetschenen getroffen.