Donnerstag, 28.07.2011

Prochorow sieht chinesisches Arbeitsmodell als Vorbild

Moskau. Milliardär und Neu-Politiker Michail Prochorow steigt erneut in die Arbeitsmarkt-Debatte ein. Er erläutert seine umstrittene 60-Stunden-Arbeitswoche, sagt den Kollaps des "europäischen Sozialismus" voraus und preist das chinesische Modell.
Woran ist der Sozialismus in der Sowjetunion gescheitert? Daran, dass am Ende alle irgendwie durgefüttert wurden und niemand mehr arbeiten wollte, meint Michail Prochorow in seinem Blog.

An den gleichen Problemen werde auch Europa ersticken, prognostiziert der Neoliberale: "Griechenland steht kurz vor dem Bankrott. Spanien, Portugal und Italien sind als nächste an der Reihe. Warum? Weil das Konsumniveau nicht mit der Produktion übereinstimmt. In Spanien sind 20 Prozent arbeitslos. Der Rest macht Siesta. In Italien ist es ganz ähnlich", so Prochorows Kurzanalyse der Schuldenkrise in Europa.

Auch das einstige Musterland der Liberalen, die USA, schickt Prochorow zum Teufel. Dort sei der Konsum durch Kredite angeheizt worden, doch die Finanzpyramide werde irgendwann platzen.

Wenn Russland nicht in die gleiche Falle laufen wolle, müsse die Produktion gesteigert werden - durch härtere Arbeit. "Ich rede nicht von Bergarbeitern, Eisengießern und Drehern an der Werkbank. Dort wird intensiver gearbeitet, als bei denen mit weißem Kragen", so Prochorow.

Doch gerade die Büromitarbeiter wollen am meisten verdienen: "Wer Importautos, japanische Fernseher und einen Auslandsurlaub haben will, muss härter arbeiten", so seine Forderung. Wer will, müsse also auch 60 Stunden in der Woche arbeiten dürfen.

Als richtiges Modell für die Entwicklung des Arbeitsmarkts sieht Prochorow China: "Dort wurde eine andere Wahl getroffen. Dort wird jetzt sehr viel gearbeitet. Und dort wächst der Konsum nachhaltig. Das Land entwickelt sich normal, weil der Konsum durch Qualität und Intensität der Arbeit gestützt wird. Das ist der einzig wahre Weg, der nicht zum Bankrott führt", so das Fazit des Milliardärs.