Dienstag, 28.12.2010

Richter: Entlastungszeugen belasten Chodorkowski

Moskau. Der Richter im zweiten Chodorkowski-Prozess hat heute die gestern begonnene Verlesung der Urteilsbegründung fortgesetzt. Dabei wurden auch Aussagen der hochrangigen Entlastungszeugen German Gref und Viktor Christenko als belastend gewertet.
Gestern erklärte Einzelrichter Viktor Danilkin die Angeklagten Michail Chodorkowski und Platon Lebedew bereits für schuldig und begann, seine Urteilsverkündung zu verlesen. Erst wenn er damit fertig ist, wird das Strafmaß genannt. Nach Einschätzung der Verteidigung dürfte dies knapp vor dem Jahreswechsel erfolgen.

Laut Danilkin wurden die erhobenen Diebstahl- und Geldwäschevorwürfe in Milliardenhöhe auch durch die Aussagen des ehemaligen Wirtschaftsministers und heutigen Sberbank-Chefs German Gref sowie des Industrieministers Viktor Christenko bekräftigt.

Beide waren allerdings von der Verteidigung aufgeboten worden und hatten vor dem Gericht erklärt, dass sie den angeblichen Öldiebstahl im großen Stil nicht bestätigen können. Christenko hatte dabei dem Gericht sogar erklärt, warum man dem Yukos-Konzern unmöglich Öldiebstahl vorwerfen könne.

Als belastend wurden auch zahlreiche Aussagen von ehemaligen Yukos-Mitarbeitern und Managern der angeblich geschädigten Tochterunternehmen gewertet. Gegen zahlreiche dieser Personen wird oder wurde ebenfalls ermittelt oder sie wurden bereits zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der Richter hatte gestern Chodorkowski und Lebedew bereits für schuldig erklärt, die fördernden Tochterunternehmen durch die angeblich kriminelle Struktur des Konzernaufbaus um Rohöl im Wert von 824 Mrd. Rubel (nach heutigem Kurs 20,5 Mrd. Euro) geprellt zu haben.

Außerdem sollen die Angeklagten illegale Gewinne in Höhe von 487 Mrd. Rubel (12,2 Mrd. Euro) und 7,5 Mrd. Dollar gewaschen haben.