Mittwoch, 19.10.2011

Russlands Robinson Crusoe im Weißen Meer entdeckt

Archangelsk. Russlands Robinson Crusoe heißt Sergej Ganjuschew. Der 25jährige hatte sich nach einem Bootsunglück auf eine unbewohnte Insel im Weißen Meer gerettet und von Algen und Regenwasser gelebt. Eher zufällig vom russischen Katastropghenschutz gefunden, erzählte er nun seine Geschichte.
Ein paar Unterschiede zwischen dem Romanhelden von Daniel Defoe und dem Russen gibt es zugegeben. So dauerte die Robinsonade Ganjuschews nicht mehrere Jahre, sondern "nur" 16 Tage. Allerdings war er auch nicht auf einer Tropeninsel gestrandet, sondern im rauen Weißen Meer.

Am 1. Oktober brach Ganjuschew in einem kleinen Holzboot von der Hauptinsel der Solowezki-Inseln zum Fischen von Riementang, einer Braunalge im Meer auf.

Meeresalgen sind eine der Haupteinnahmequellen der Bevölkerung auf den Solowetzki-Inseln, allerdings braucht man zum Fischen eine Lizenz, die Ganjuschew nicht hatte. Deshalb hatte er sein Unternehmen geheim gehalten.

Er war völlig allein, als er im Sturm Schiffbruch erlitt. Aus dem eisigen Wasser konnte sich der junge Russe auf eine kleine unbewohnte Insel retten.

16 Tage lebte er dort von ans Ufer geschwemmten Algen und Regenwasser. Um sich vor Wind und Wetter zu schützen, grub er sich mit den Händen ein Erdloch. Zunächst habe er Hoffnung gehabt, auf vorüberfahrende Schiffe zu treffen, erzählte er nach seiner Rettung.

Nach zehn Tagen sei die Hoffnung verschwunden. Just am Tag seiner Rettung habe er beschlossen, sich die Venen aufzuschneiden, erklärte er. Als er den Hubschrauber über der Insel gehört habe, sei er nur mit Mühe aus seinem Loch geklettert.

Besonders glücklich dürfte die Rettung allein deshalb gewesen sein, weil die Katastrophenschützer eigentlich gar nicht nach Ganjuschew suchten, der noch nicht einmal als vermisst gemeldet worden war.

Der Hubschrauber war auf der Suche nach einem anderen Schiffbrüchigen, einen Angehörigen des Solowezki-Klosters. Der Mann wurde bislang allerdings nicht gefunden.