Freitag, 05.06.2009

Schröder: Überzogener Optimismus ist fehl am Platz

St. Petersburg. Altkanzler Gerhard Schröder ist überzeugt, dass die Krise „bestenfalls 2011“ überwunden sein wird. Beim internationalen Wirtschaftsforum in Petersburg forderte er mehr Transparenz und Regulierung der internationalen Finanzsysteme.
Schröder lobte in seinem Beitrag zur Diskussion „Lehren aus der Krise“ im Allgemeinen die Krisenpolitik der Großen Koalition in Berlin, die immerhin 500 Mrd. Euro in die Stabilisierung der deutschen Wirtschaft investiert habe. Zugleich warnte der Ex-Kanzler vor überzogenem Optimismus in Bezug auf die Länge der Krise in Deutschland, Europa und weltweit.

"Wer zu optimistisch ist, der irrt sich."


Diese werde wohl frühestens 2011 zu Ende sein. Im ersten Halbjahr 2010 seien die Folgen der Krise auf dem Arbeitsmarkt noch deutlich zu spüren, erklärte Schröder. Erst im zweiten Halbjahr 2010 werde Besserung spürbar.

Hauptwachstumsbereiche Energieeffizienz und Alternativenergie


Deutschland sei in besonders hohem Masse vom Export abhängig. Dies könne sich aber auch beim Ausweg aus der Krise als positiv herausstellen, denn die entscheidenden Wachstumsbereiche der Weltwirtschaft seien alternative Energieträger und Energieeffizienz.

In Deutschland gebe es schon jetzt mehr Arbeitsplätze in der Umwelttechnik als im Kernbereich der Automobilindustrie.

Neben den amerikanischen Ratingagenturen ist eine europäische Ratingsagentur nötig


Um in Zukunft weitere Krisen zu vermeiden, sei eine Reform des internationalen Finanzwesens notwendig, sagte der SPD-Politiker. Seit zehn Jahren werde die Reform diskutiert, bisher sei sie stets am Widerstand von Briten und Amerikanern gescheitert, nun müsse die Diskussion zu Ende geführt werden.
Den amerikanisch beeinflussten Ratings und Ratingagenturen will Schröder eine europäische Ratingagentur entgegensetzen.