Dienstag, 22.05.2012

Studienplätze: Bildungsminister hat schlechten Einstand

Moskau. Bildungsminister Dmitri Liwanow hat sich, gerade eben erst ins Amt eingeführt, schon in die Nesseln gesetzt. Sein Vorschlag, die kostenlosen Studienplätze um die Hälfte zu kürzen, stößt auf harsche Kritik.
Liwanow möchte nur noch die Hälfte der derzeit kostenlos zur Verfügung stehenden (und vom Staat bezahlten) Studienplätze belassen und durch die damit erreichte Einsparung die Finanzierung der verbleibenden wesentlich aufstocken. Studenten und ein Teil der Fachleute sind empört.

Aus dem Russischen Studentenverband RSS verlautet, das größte Problem der Hochschulen im Lande sei die „zweckentfremdete Nutzung von Staatsmitteln“ oder anders formuliert: die Korruption. Artjom Chromow, der Vorsitzende des RSS, sagte am Dienstag laut ITAR-TASS, eine Verringerung der stattlich dotierten Studienplätze würde die Qualität der Bildung mindern:

„Es werden dann nicht mehr die angenommen, die was können, sondern die, die Geld haben.“ Eine Folge könnte „ein Anwachsen des Protestpotentials unter den Studenten sein“, warnt der RSS in seiner Erklärung.

Sergej Komkow, Präsident der Allrussischen Bildungsstiftung, bezeichnet die Idee des frischgebackenen Bildungsministers als „verderblich für das Bildungssystem“ und warnt, Russland könne auf diese Weise „bald zu einem Land der Dritten Welt“ werden.

Andere Experten, zumeist Hochschulrektoren, finden die Idee, weniger kostenlose Plätze an den Unis anzubieten, „im Prinzip richtig“, warnen aber vor einer voreiligen und radikalen Kürzung. Dieser Prozess solle gut durchdacht und langfristig sein, meint z. B. Michail Eskindarow, Rektor der Finanzuniversität bei der Regierung der Russischen Föderation.