Freitag, 23.04.2010

Tendenz: Immer mehr Adoptivkinder zurück ins Heim

Moskau. In den letzten zwei Jahren hat sich die Zahl der Kinder, die von ihren Adoptiveltern zurück ins Heim gegeben werden, verdoppelt. Ein Grund dafür ist die „Kommerzialisierung“ dieser Sphäre.
Jelena Misulina, Vorsitzende des Duma-Ausschusses für Fragen von Familie, Frauen und Kindern, warnte am Freitag im russischen Parlament vor „gefährlichen Tendenzen“. Ihren Angaben zufolge sind in den letzten beiden Jahren 30.000 adoptierte Kinder von ihren Pflegeeltern zurückgegeben worden.

„Experten bezeichnen diesen Rückgabe-Boom als humanitäre Katastrophe, denn so ein Kind wird zwei Mal verstoßen – erst von den eigenen Eltern und dann von den Adoptiveltern“, so Misulina. Dies hätte sehr ernste Folgen auf die Persönlichkeitsentwicklung der betroffenen Kinder.

Diese massenhafte Rückgabe läge zum einen an der mangelnden Ausbildung und Anleitung der Pflegeeltern. Zum anderen nutzten viele die finanziellen Vorteile einer Adoption, wie sie in dem 2008 angenommenen neuen russischen Adoptionsgesetz festgeschrieben sind.

Kinder würden „wegen der materiellen Vorteile angenommen, und wenn die Vorteile ausgenutzt sind, ist es ein leichtes, das Kind abzuschieben“, erklärt Misulina. Laut der Ausschussvorsitzenden gibt es in Russland vier bis fünf Mal mehr Waisenkinder als in Westeuropa oder den USA.

Das Ausmaß der Tragödie belegen folgende Zahlen: Heute gibt es in Russland 697.000 Waisenkinder, in den vier Kriegsjahren 1941-1945 waren es insgesamt 678.000. In den letzten zehn Jahren wurden in Russland 1,5 Millionen elternlose Kinder gezählt.