Freitag, 07.09.2012

Türkei will von Russland den Schatz des Priamos

Istanbul. Die türkische Regierung will den «Schatz des Priamos» in Verhandlungen mit Russland zurück in die Türkei bringen. Sowjettruppen hatten ihn 1945 aus Berlin mitgenommen; jahrzehntelnag war er verschollen.
«Wir bemühen uns sehr, die Stücke zurückzubekommen», zitierten türkische Medien am Donnerstag Kulturminister Ertugrul Günay. Er hatte in langen Verhandlungen bereits eine Rückgabe trojanischer Goldfunde aus den USA erreicht, die Anfang der Woche in der Türkei präsentiert worden waren.

Der deutsche Archäologe Heinrich Schliemann hatte den aus 8.800 Teilen bestehenden Goldfund 1873 in Troja entdeckt – kurz bevor er seine bis dahin erfolglosen Ausgrabungen in der Türkei beenden wollte. Er ordnete den Schatz dem trojanischen König Priamos aus Homers «Ilias» zu. Wie sich herausstellte, gehört die Schicht, in der das Gold gefunden wurde, aber zu einer früheren Epoche um 2500 v. Christus.

Auf verschlungenen Wegen brachte der Archäologe die Schmuckstücke, Perlen und einen doppelhenkeligen Becher nach Deutschland. Minister Günay sagte, zur Zeit der ersten Ausgrabungen sei viel geplündert worden.

Sowjettruppen nahmen die Stücke am Ende des Zweiten Weltkrieg aus Berlin nach Russland mit. Der Schatz galt lange Zeit als verschwunden und tauchte erst 1991 im Puschkin-Museum in Moskau auf. Deutschland hat bisher erfolglos versucht, eine Rückgabe des Schatzes zu erreichen.

(dpa)