Freitag, 22.08.2008

US-Botschafter: Reaktion auf Georgien war begründet

Moskau. John Beyrle, der neue US-Botschafter in Russland, bringt in einem Interview für den „Kommersant“ zum Thema Russland-Georgien eine Meinung zum Ausdruck, die der offiziellen Linie in Washington widerspricht.
Beyrle, der erst seit einem Monat der diplomatischen Mission der USA in Moskau vorsteht, sagt wörtlich: „Wir sehen, dass das russische Militär durchaus begründet auf den Überfall auf die Friedenstruppen in Südossetien reagiert hat.“ Die Amerikaner hätten dabei „bis zum letzten versucht“, die Georgier von ihren Plänen abzubringen.

Nun müsse Russland allerdings die Truppen, die auf georgisches Gebiet vorgedrungen sind, zurückziehen. Bei der Lösung des Konflikts geht Beyrle von der „Ganzheit Georgiens in seinen internationalen Grenzen“ aus, räumt aber ein, dass dabei aber „das Recht auf freie Selbstbestimmung der Nationen“ eingehalten werden müsse.

Kosovo sei aber keinesfalls ein Präzedenzfall für eine Lösung. Die USA brauche Russland als Partner in der Irak-Frage und bei der Bewältigung anderer die Welt bewegender Probleme. „Wir wollen nicht, dass Russland von der Welt isoliert wird“, so Beyrle.

Sowohl Präsident Bush als auch Außenministerin Rice hatten im Zusammenhang mit dem Konflikt um Südossetien harte Töne gegenüber Russland angeschlagen. Möglicherweise will die US-Regierung durch ihren Botschafter in Moskau signalisieren, dass sie nun zu einer „weicheren Gangart“ bereit ist.