Freitag, 25.05.2012

26-facher Mumienmacher muss in psychiatrische Klinik

Mit einem Lächeln bei der Urteilsverkündung: Der Leichenschänder von Nischni Nowgorod kommt in die Psychiatrie (Foto: kp.ru)
Nischni Nowgorod. Schlusspunkt im weltweit für Aufsehen sorgenden Fall des russischen Mumiensammlers: Ein Gericht in Nischni Nowgorod verurteilte einen 26-fachen Grabschänder zur psychiatrischen Zwangsbehandlung.
Anatoli Moskwin, dessen Beruf als Heimatforscher angegeben wird, war im November festgenommen worden. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand die Polizei 26 bekleidete Figuren – bei denen es sich um mumifizierte Leichen handelte. Seine ebenfalls in der Wohnung lebenden Eltern waren nicht im Bilde, woraus die geliebten „Puppen“ ihres 45 Jahre alten Sohnes bestanden.

Wie sich herausstellte, hatte Moskwin die Leichen von jung verstorbenen Frauen auf städtischen Friedhöfen exhumiert und selbst mumifiziert. Er ging dabei so vorsichtig vor, dass viele Angehörige gar nicht bemerkten, dass die Gräber ihrer Verstorbenen geschändet worden waren.

Von Straßenhunden auf frischer Tat ertappt


Auf die Spur des Leichenschänders kam die Polizei durch die „Mithilfe“ eines Rudels Straßenhunde: Sie hatten Moskwin angefallen, als er nächtens eine Leiche nach Hause schleppte. Der Grabschänder musste die Leiche zurücklassen, worauf die Hunde sie zerfetzten.

Leichen-Puppen waren Ersatz-Kinder


Der Angeklagte hatte ausgesagt, dass die Puppen für ihn wie Kinder gewesen seien, weil er sich sehnsüchtig eine Tochter gewünscht habe. Er habe sich deshalb um sie wie um lebende Geschöpfe gekümmert, ihnen beispielsweise Zeichentrickfilme gezeigt und Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen. Mumien, an denen er keinen Gefallen mehr gehabt habe, habe er auf den Friedhöfen wieder in ihren Gräbern bestattet.

Das Gericht fällte seine Entscheidung zur unbefristeten Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik auf Grund von sechs detailliert aufgeklärten Fällen sowie einem medizinischen Gutachten, dass dem Grabschänder eine „Schizophrenie paranoider Form“ bestätigte.

Der Täter fürchtet sich vor sich selbst


Der Angeklagte, der früher einmal germanische und keltische Philologie studiert hatte, zeigte sich bei dem Prozess mit seiner Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik einverstanden. Nach Aussage des Staatsanwaltes befürchte er selbst, dass er eines Tages das Gleiche mit lebenden Opfern tun könne.

Moskwin erklärte zum Abschluss des Prozesses, dass er die Hoffnung habe, eines Tages wieder frei zu kommen und dann die Genehmigung zur Adoption eines Kindes zu erhalten.