Dienstag, 12.03.2013

85 Prozent gegen Homo-Ehe: homophobe Stimmungen nehmen zu

Die russische Volksseele hält derartige Beziehungen in großer Mehrheit für nicht ehefähig (Foto: bytheway.co.uk)
Moskau. Laut einer repräsentativen Umfrage sind 85 Prozent der Russen gegen eine Genehmigung gleichgeschlechtlicher Ehen. 87 Prozent wollen keine Gay-Paraden in ihrer Stadt haben. Experten verzeichnen einen Anstieg homophober Stimmungen im Laufe der letzten acht Jahre.
Während in Westeuropa über die Legalisierung der Homo-Ehe und die steuerliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren diskutiert wird, zeigt sich in Russland eine gegenläufige Tendenz. Durch ein in erster Lesung von der Staatsduma befürwortetes Gesetz soll „homosexuelle Propaganda gegenüber Minderjährigen“ landesweit strafbar werden, die Durchführung von Schwulenparaden ist seit Jahren so gut wie unmöglich. In mehreren Regionen gibt es bereits derartige „Antischwulengesetze“.

22 Prozent wollen Schwule zwangsbehandeln


Die restriktive Politik gegen sexuelle Minderheiten spiegelt dabei die Stimmung in der Bevölkerung wider. Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage des Moskauer Meinungsforschungsinstituts „Lewada-Zentr“. So üben nur 23 Prozent der Russen Toleranz gegen Schwule und Lesben; 27 Prozent sprechen sich für „psychologische Hilfe“ aus, 22 Prozent sogar für „Zwangsbehandlung“.

80 Prozent sind gegen ein Adoptionsrecht für schwule Paare. Dabei erklären 89 Prozent, dass sie keine Schwulen und Lesben im Bekannten- und Freundeskreis haben.

Die Soziologen kommen beim Vergleich mit früheren Umfragen zum Schluss, dass „sich die homophoben Stimmungen in den letzten acht Jahren verstärkt haben“. So zeigten sich sieben Prozent der Befragten weniger tolerant als früher, die Zahl der Befürworter von „Zwangsbehandlung“ habe um fünf Prozent zugelegt.

Außerdem sei die Zahl derer, die eine „Isolierung von der Gesellschaft“ fordern, um vier Prozent gestiegen.