St. Petersburg. Nach einem Wassereinbruch werden in einem südrussischen Kohlebergwerk 46 Menschen vermisst. Die angelaufene Rettungsaktion wird zu einem Rennen gegen die Zeit – und das Wasser, dass in gewaltigen Mengen aus einem menschengemachten unterirdischen See in den Unglücks-Schacht fließt. Vermutlich befinden sich die Bergleute in 700 Meter Tiefe, doch alle Zugänge und Luftschächte sind blockiert.
Das Unglück im Bergwerk „Sapadnaja-Kapitalnaja“ in Nowoschachtinsk ereignete sich am Donnerstag Nachmittag. In etwa 450 Meter Tiefe brach unvermittelt Wasser durch die Wand des Hauptstollens und überflutete den Schacht. Förderanlagen, Telefonleitungen und die Stromversorgung wurden sofort zerstört. 25 Menschen, die sich zu diesem Zeitpunkt in den höheren Ebenen des Bergwerks befanden, konnten sich über einen Belüftungsschacht retten. Vier von ihnen liegen im Krankenhaus. Einer der Geretteten berichtete, dass ihn eine Druckwelle an die Wand des Stollens warf.
Die restlichen Männer befanden sich in etwa 700 Meter Tiefe. Nur 26 von ihnen arbeiteten dort als Kumpel, 20 weitere gehören zu einer Gruppe Fachleute. Darunter befindet sich der zur Inspektion eingefahrene neue Direktor des Bergwerkes, der seinen Posten erst an diesem Tag angetreten hatte.
Die ganze Hoffnung, die Leute noch retten zu können, beruht auf der Annahme, dass sie sich vor den Wassermassen an die am höchsten gelegenen Endpunkte der Sohle haben zurückziehen können. Mit den Eingeschlossenen gab es auch 24 Stunden nach dem Unglück keinen Kontakt. Alle Männer sollten den Vorschriften gemäß einen Notvorrat an Lebensmitteln und Atemschutzgeräte bei sich haben.
Alle Anstrengungen wurden zunächst darauf gerichtet, das weitere Eindringen von Wasser zu verhindern oder wenigstens zu bremsen. Deshalb wurde der Hauptschacht mit Betonblöcken zugeschüttet. 50 Lastwagen waren in pausenlosen Einsatz, um das Material heranzufahren. Bis Freitag Abend hoffte man, das Leck so gut wie möglich zu verschließen. Dann sollen Rettungstrupps in das Bergwerk einfahren.
Gleichzeitig begannen Bergleute von Stollen zweier Nachbar-Bergwerke aus, Tunnel in Richtung der Eingeschlossenen zu graben. Nach Angaben eines Gewerkschaftsfunktionärs müssen nur 60, respektive 74 Meter überwunden werden. Gearbeitet wird in vier Schichten, jedoch „praktisch von Hand“, da Sprengungen wegen der heiklen Lage nicht möglich sind. Der Gouverneur des Gebietes Rostow, Wladimir Tschub, erklärte, dass es mindestens zwei Tage dauern würde, bis die Retter zum Ziel gelangen.
Das Wasser hatte sich in fünf Gruben des Kohlegebietes angesammelt, die im letzten Jahr stillgelegt worden waren. Wie der Generaldirektor der Bergwerksgesellschaft „Russki ugol“ erklärte, hätte die Versiegelung und Trockenlegung der Schächte gemäß eines Vertrages vom russischen Energieministerium finanziert werden müssen. Doch das Geld aus Moskau kam nicht, weshalb sich immer mehr Grundwasser in den leeren Stollen ansammelte. Fachleute schätzen den unterirdischen See auf 28 Millionen Kubikmeter Volumen.
Bereits im Februar war ein Teil der Grube „Sapadnaja“ überflutet worden. Damals befanden sich allerdings keine Menschen darin. Nach der Katastrophe wird jetzt allerdings kein Aufwand gescheut, um die Leidtragenden des Unglücks zu retten. Aus Moskau flog ein Transportflugzeug des Katastrophenschutzes mit Russlands erfahrensten Höhlenrettern und Tauchern sowie der nötigen Ausrüstung ins nahe gelegene Schachty.
(ld/.rufo)
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