Anna Chapman ist aufgrund ihres Aussehens zum Star der Agentenaffäre geworden (Foto: splashnews)
Donnerstag, 01.07.2010
Agentenaffäre: Wollte „Bond-Girl“ nach Moskau fliehen?
Washington. Neuer Dreh im Spionageskandal: Die US-Behörden haben den vermeintlichen Kremlagenten die Kinder weggenommen, ein Verdächtiger ist verschwunden und die „schönste russische Agentin“ war angeblich auf dem Weg nach Moskau.
Zehn Verdächtige hatte das FBI am Wochenende in den USA hochgenommen. Kurz darauf wurde auch in Zypern ein Mann verhaftet. Sie alle sollen einem russischen Spionagering angehören, so der Vorwurf.
Ein Verdächtiger hat sich in Luft aufgelöst
Der Mann in Zypern wurde gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt – und hat sich danach offenbar abgesetzt. Die Suche nach ihm läuft bislang erfolglos.
In den USA gehen die Behörden hingegen rigide gegen die vermeintlichen Spione vor, von denen lediglich zwei Russen sind. Eine Freilassung gegen Kaution wurde abgelehnt, die Angeklagten befinden sich in drei unterschiedlichen Gefängnissen. Derzeit ist noch nicht einmal klar, ob sie Kontakt zu ihren Anwälten oder dem Konsulat haben.
Die Kinder der Agenten, von denen die meisten als Paare lebten, wurden von den Behörden der Fürsorge übergeben. „Im Justizministerium verstehen wir, wie wichtig die Bedeutung einer guten Fürsorge für das Kind im vorliegenden Fall ist. Aber wir können keinen Kommentar zu jedem Kind abgeben“, wies der Sprecher des Justizministeriums Dean Boyd alle Fragen nach dem konkreten Verbleib der Kinder zurück.
Unterdessen wird die Russen Anna Chapman (geborene Kuschtschenko) immer mehr zum Medienereignis. Im Internet aufgetauchte Fotos der effektvollen Rothaarigen haben ihr schon den Beinamen „Bond-Girl“ eingetragen.
Diplomatentochter mit Beziehungen zur Regierungspartei
Russische Medien berichten, dass Chapman Tochter eines russischen Diplomaten sei. Die 28-Jährige ist Mitglied des „Moskauer Clubs junger Unternehmer“ MKMP. Der MKMP soll Verbindungen zur Kremlpartei Einiges Russland haben.
Im Club wird eine Untergrundtätigkeit Chapmans bestritten. Sie sei von Kopf bis Fuß Unternehmerin gewesen, heißt es. Zuletzt handelte sie in New York mit internationalen Immobilien, davor verkaufte sie in London Flugzeuge.
In Moskau hatte sie bis 2005 an der Universität der Völkerfreundschaften (bekannt als Patrice Lumumba Uni) Wirtschaft studiert. Diese Universität gilt im Gegensatz der MGIMO eigentlich nicht als Kaderschmiede für Diplomaten und Agenten.
„Zu schlau, um gefasst zu werden“
Entlastungsaussagen einer ehemaligen Schulkameradin hingegen können durchaus auch gegen Chapman verwertet werden. „Ich denke, dass ist irgendeine Falle. Selbst wenn man annimmt, dass Anna Agentin gewesen wäre, so bin ich sicher, dass sie niemals so ein Fiasko zugelassen hätte, sie ist ein sehr kluges Mädchen“, zitiert das Boulevardmedium Life News Tatjana Schumilina, die in der 11. Klasse die Schulbank mit Chapman gedrückt haben soll.
Zudem berichten russische Medien darüber, dass sich Chapman einen Rückzugsort in Moskau gesichert habe. Vor einem halben Jahr habe die junge Frau eine Wohnung in Moskau gekauft. Nach Angaben von Bekannten habe sie bei diesem Besuch auch erklärt, dass sie in Kürze zurückkehren wolle. Warum, das ließ sie offen.
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